Der Reichenbach-Brunnen

Ein Beitrag von Corinna Hunger und Merlin Zoe van Rissenbeck

Ursprünglich wurde der Reichenbach-Brunnen 1908 zu Ehren des Lüneburger Senators Johannes Reichenbach auf dem Platz „Am Sande“ errichtet. Heute steht der Brunnen einen knappen Kilometer Luftlinie entfernt auf dem Reichenbach-Platz, an dem sich die Reichenbachstraße und die Bardowicker Straße kreuzen. Auf dem etwa neun Meter hohen Brunnen thront eine männliche Statue, die an einen Sülfmeister erinnert. Diese stellt die Hauptfigur aus dem Roman „Der Sülfmeister“ von Julius Wolff dar, spielt auf Johannes Reichenbach an und hat dem Brunnen den Spitznamen „Sülfmeister-Brunnen“ verschafft.

Die Person Johannes Reichenbach

Johannes Reichenbach (1836-1921) spielte eine wichtige Rolle für die Stadt Lüneburg. Er erlernte zunächst das Böttcherhandwerk und baute später den 300 Jahre alten Familienbetrieb zu einer Fassfabrik aus. Die Böttcher waren für die an Salz reiche Stadt Lüneburg von großer Bedeutung. Ursprünglich befand sich der Betrieb in der Nähe der Nikolaikirche, wurde jedoch am 27. Juni 1889 durch ein Feuer zerstört. Reichenbach kaufte daraufhin im Norden der Stadt ein weitläufiges Gelände, um dort eine neue Fabrikanlage zu errichten.

Als Bürgervorsteher und schließlich als Senator der Stadt Lüneburg war er bei den Bürgern aufgrund seines Einsatzes für die Stadt sehr beliebt. So leitete er unter anderem 1904 den Bau des Wasserturms in die Wege. Bei den Bürgern bekannt war auch sein Leitsatz: „Man to! Man to!“ Um ihrer Dankbarkeit und Anerkennung Ausdruck zu verleihen, beschlossen die Bürger gemeinsam mit dem Magistrat, Reichenbach zum Ehrenbürger der Stadt Lüneburg zu küren und ihm einen Brunnen zu widmen, den Reichenbach selbst vollständig stiftete. Am 31.10.1908 wurde der Reichenbach-Brunnen auf dem Platz „Am Sande“ vor der Industrie- und Handelskammer errichtet.

Die Gestaltung des Brunnens

Verantwortlich für den Entwurf und den Bau des Brunnens waren der Architekt Otto Luer und der Bildhauer Karl Gundelach aus Hannover. Bei dem Material des Brunnens handelt es sich um Muschelkalkstein aus der Nähe von Köln. Die Gestaltung des Brunnens entstammt der Zeit des Historismus und vereint Elemente verschiedener Stilrichtungen, so beispielsweise der Renaissance. Zu den Bronzeverzierungen zählt unter anderem ein Relief mit dem Profil des Senators Reichenbach. Um den Brunnen herum finden sich Prellsteine, die unter anderem vor Kutschenrädern schützen sollten.

  • Reichenbachbrunnen © Hunger/van Rissenbeck
    Reichenbachbrunnen © Hunger/van Rissenbeck

Die steinerne Männerfigur auf dem Sockel des Brunnens ist mit Merkmalen versehen, die auf das Handwerk des Böttchers verweisen. Hierzu zählen die Fassreifen in der linken Hand und ein umgebundener Schurz. In seiner rechten Hand hält die Figur ein Schwert aus Bronze. Die Statue stellt die Figur Gotthard Henneberg aus dem Roman „Der Sülfmeister“ von Julius Wolff dar. Henneberg wird im Roman als aufrichtiger Mann beschrieben, der für die Freiheit der Stadt Lüneburg kämpft. Wolf skizziert dabei das mittelalterliche Lüneburg, seine Hauptfigur ist jedoch frei erfunden. Dennoch: „Der alte Sülfmeister von der Böttcherzunft lebt in der Vorstellung der Lüneburger und zwar als einer der Lieblingshelden ihrer alten Geschichte.“ Zugleich spielt die Statue auf Johannes Reichenbach und dessen Engagement im Sinne der Stadt Lüneburg an.

Das Ende des Brunnens am Sande

Die Tradition der Reichenbachschen Fassfabrik fand ihr endgültiges Ende 1943, indem ein Barackenfabrikant das Unternehmen übernahm. Nachdem Johannes Sohn Hermann Reichenbach 1933 sein Amt als Präsident der IHK in Lüneburg aus heute nicht mehr belegbaren Gründen nach nur einem Jahr aufgeben musste – es ist anzunehmen, dass Grund hierfür die jüdische Abstammung seiner Frau war – wurde 1943 auch der Brunnen von seinem prominenten Standort entfernt. Laut einem Urenkel von Reichenbach wurde der Brunnen unter dem Einsatz von Zwangsarbeitern abgerissen. An dessen ehemaligem Standort entstand ein Feuerlöschteich. Die Brunnenschale und -figur wurden bis zum Wiederaufbau im städtischen Bauhof gelagert. Erst in den 1960er Jahren wurden Teile des Brunnens im Kaiser-Wilhelm-Park an der Frommestraße aufgestellt. Dort führten die ehrsamen Meister Henneberg und Reichenbach mehr als 40 Jahre ein kümmerliches Schattendasein im Abseits. „Schmierfinken ließen sich an ihnen aus, zweimal wurde dem Standbild das Schwert gestohlen – und beide Male durch eine Stiftung der Meisterschule des Schmiedehandwerks ersetzt.“ Erst im Jahr 1983, veranlasst durch die private Initiative einiger Lüneburger Bürger, wurde der Brunnen am Reichenbachplatz wieder aufgestellt, wo er auch heute noch zu finden ist.

  • Reichenbachbrunnen © Hunger/van Rissenbeck
    Reichenbachbrunnen © Hunger/van Rissenbeck

Ausgang

Im Zuge der Umgestaltung des Platzes „Am Sande“ zur Jahrtausendwende entstand die Idee, vor der IHK erneut einen Brunnen zu errichten. Zu diesem Zweck gab es einen Wettbewerb, in dessen Rahmen sich ein Schiedsgericht für einen neuen Entwurf aussprach. Zeitgleich wurde auch die erneute Wiederaufstellung des Reichenbach-Brunnens an seinem ursprünglichen Platz angeregt. Die Brunnenfrage resultierte in Streitigkeiten, die schließlich darin endeten, dass auf einen Brunnen am Sande verzichtet wurde und der Reichenbach-Brunnen seine Position am Reichenbachplatz behält.

 

4 Kommentare

  1. Obiger Beitrag ist unvollständig und enthält diverse „Ungenauigkeiten“. Einiges soll hier richtig gestellt, bzw. ergänzt werden:
    Die Stadt widmete den Brunnen zwar seinem Ehrenbürger und Senator, bezahlt hat er den Brunnen aber vollständig ganz alleine. Die Stadt war viel zu klamm, schon damals.
    Der Brunnen wurde von seinem ursprünglichen Standort 1943 unter Einsatz von Zwangsarbeitern zeitgleich mit dem Einzug der „Gauwirtschaftskammer“ (heute wieder Industrie u. Handelskammer) in das dahinter liegende Gebäude abgerissen. Dass dies zugunsten eines genau dort anzulegenden Feuerlöschteichs erfolgen musste, ist „Nazinarrativ“.
    Die Brunnenfigur wurde erst wieder in den 1960-er Jahren im Park an der Frommestr. aufgestellt. Bis dahin war der Brunnen samt seiner Figur in Gänze auf dem städt. Bauhof verschwunden.
    Die Wiedererrichtung des Brunnens 1983 am Reichenbachplatz erfolgte ohne jeden finanziellen Beitrag der Stadt.
    Ausgerechnet der Verein Lüneburger Kaufleute unternahm es ab der Jahrtausendwende den ursprünglichen Standort des Reichenbachbrunnens mit einem anderen Brunnen zu „besetzen“, zur Feier des 100-jährigen Bestehens ihres Vereins. Dazu muss man wissen, dass der Gründer und erster Präsident dieses Vereins der Sohn des Reichenbachbrunnenstifters Joh. Reichenbach, Hermann Reichenbach war. Der wiederum war nach kurzer IHK-Präsidentschaft 1933 von den Nazis zum Rücktritt gezwungen worden. Im Folgenden verlor er sämtliche Ämter, zuletzt auch sein Senatorenamt, weil er weder bereit noch in der Lage war für seine Familie einen „Ariernachweis“ zu erbringen. Hermann R. war mit der Tochter eines ostpreussischen jüdischen Getreidehändler verheiratet. Mein Urgroßvater Hermann Reichenbach starb 1935. Seine einziges Kind seine Alleinerbin Käte Staak geb. Reichenbach war 1942 unter bis heute nicht vollständig erforschten Umständen die Fabrik an den Barackenfabrikanten Rabe zu verkaufen.
    Das mindestens geschichtsvergessene Brunnenprojekt des VLK konnte buchstäblich in letzter Sekunde verhindert werden. Der eigens für dieses Projekt gegründete Unterverein des VLK, der gemeinnützige Verein „Grapengießer-Brunnen Verein am Sande e.V.“ gab zur endgültigen Aufgabe seines Projekts im Jahre 2015 eine fadenscheinige aber gesichtswahrende, aber nachweislich falsche Begründung ab und verkündete gleichzeitig den einstimmig gefassten Beschluss seiner Auflösung. Diese ist bis heute den 17.Oktober 2019 nicht erfolgt. Stattdessen versuchen der VLK resp. der „Brunnenverein“ bis heute Einfluss auf unterschiedliche Brunnenprojekte von „dritter Seite“ am kontaminierten Ort zu nehmen.

    1. Hallo Herr Sander,

      wir haben die Kommentarfunktion für diesen Beitrag nun freigeschalten.
      Vielen Dank für Ihre Hinweise, wir werden diesen nachgehen und den Beitrag dementsprechend überprüfen.

      Mit vielen Grüßen,
      Luisa Lamm

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