Von der Kaserne zur Universität

Ein Beitrag von Christina Mikalo und Dietmar Fricke

Leuphana – von der Kaserne zur Universität     

Passt ein Libeskindbau auf ein altes Kasernengelände? Am 11. März 2017 hat das neue Zentralgebäude der Leuphana Universität Lüneburg seine Pforten geöffnet – und sogleich ist es ein Touristenmagnet. Der Campus hat allerdings nicht nur eine schillernde Zukunft, sondern auch eine bewegte Vergangenheit zu bieten. Spuren davon, dass einst Soldaten dort lebten, wo heute angehenden Akademikern die Köpfe rauchen, sind noch vielerorts zu finden …

Das Gelände der Scharnhorstkaserne (1936) und Leuphana Universität © Peter Pez

Zwischen Morgenappell und Schutz vor Bomben die Geschichte der Scharnhorstkaserne
Ein Relikt aus der Kasernenzeit ist etwa der Aufbau des Campus. Die rechtwinklige Struktur und die strenge Ost-West- und Süd-Nord-Ausrichtung entsprachen dem typischen Militärbaustil der 1930er Jahre. Ein Kennzeichen der damaligen Architektur waren auch die stark geneigten „Walmdächer“ der meist einheitlich dreistöckigen Gebäude. Sie dienten dem Schutz vor Bombenangriffen. Es lohnt sich, die Gebäude nicht nur von außen, sondern auch von innen genau anzuschauen. In vielen Fluren finden sich in den Mauern eingelassene Nischen, in denen die Soldaten ihre Gewehre abstellten. Um vollends in die Militärvergangenheit des Campus einzutauchen, muss man rund 70 Jahre in der Geschichte zurückzureisen. Ab 1935 entstand auf dem heutigen Universitätsgelände die Scharnhorstkaserne. Mit der Lüner-, der Theodor-Körner- und der Schlieffenkaserne bildete sie den vierten militärischen Stützpunkt der Stadt. Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts war Lüneburg ein Garnisonsstandort. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Salz- endgültig zur Soldatenstadt: Fast jeder vierte Einwohner war ein Mitglied der Wehrmacht.

  • Der Bau der Scharnhorstkaserne (1936) © Sammlung Zühlsdorff
    Der Bau der Scharnhorstkaserne (1936) © Sammlung Zühlsdorff

Für die Scharnhorstkaserne, die 1936 fertiggestellt wurde, bedeutete das, dass neben den „klassischen Einrichtungen“ wie Exerzierplätzen auch Platz zum Wohnen für die Soldaten und Offiziere bereit gestellt werden musste. Bis zu acht Mann lebten in einer „Stube“. Einen Spind besaß zwar jeder Soldat für sich, doch die Sanitäranlagen – WCs und Duschen – mussten sich die Männer teilen. Eine Privatsphäre gab es praktisch nicht. Auch ansonsten war das Leben in der Kaserne kein Zuckerschlecken: Der ehemalige Soldat Kurt Hölzer erinnert sich daran, dass er und seine Kameraden jeden Morgen in aller Früh durch den lauten Ruf des UvD (Abkürzung für Unteroffizier vom Dienst) geweckt wurden. Nachdem sich alle vor Gebäude 10 versammelten hatten, wurde die Sauberkeit nicht nur der Uniform, sondern beispielsweise auch der Fingernägel kontrolliert, die wie das ordentliche Zusammenfalten von Hemden und Unterhosen Pflicht war. Die Annehmlichkeiten des Lebens blieben größtenteils den Offizieren vorbehalten. Sie speisten in einer eigenen Kantine und konnten sich in einem Casino, das sich im heutigen Gebäude 9 befand, in geselliger Runde treffen. Unter den Einwohnern Lüneburgs, allen voran der damaligen Stadtverwaltung, genoss das Militär großen Respekt. Von den von der Verwaltung regelrecht nach Lüneburg gelockten Soldaten erhoffte man sich wirtschaftliche Vorteile für Handel, Gewerbe und Handwerk. Die Militärangehörigen und ihre Familien sollten einen neuen Kundenkreis für den Kolonialwarenhandel, die Schlachtereien und Bäckereien bilden. Einen Aufschwung versprach sich auch das Bekleidungsgewerbe – Schneider, Manufakturwaren-, Schuh- und Wäschegeschäfte – und das Vergnügungswesen mit seinen Gaststätten, Lokalen und Lichtspieltheatern.

Die auf Einnahmen hoffende Politik nennt der Geschichtswissenschaftler Werner Preuss von der Leuphana Universität Lüneburg kurzsichtig. Um eine kleine Katastrophe abzuwenden – in Lüneburg herrschte Anfang der 1930er Jahre eine hohe Arbeitslosigkeit; im Dezember 1932 lag sie bei 21 Prozent – sei eine große vorbereitet worden. Die große Katastrophe manifestierte sich alsbald in Form der unzähligen Kriegsopfer, die Lüneburgs Bataillone erlitten und verursachten. Die Truppeneinheiten I und III des in der Scharnhorstkaserne stationierten Infanterie-Regiments 47 kämpften unter anderem in den Niederlanden (1940), in Rumänien und auf der Krim (1942/43), wo allein 1.569 Soldaten ihr Leben verloren.

Nach weiteren Kämpfen in Griechenland und Jugoslawien endete am 11. Mai 1945 auch für die Lüneburger Soldaten der Zweite Weltkrieg. Neben den menschlichen Verlusten gab es schwere Beschädigungen in Teilen der Stadt. Alliierte Bomber zerstörten die Bahnanlagen und Gebäude entlang der Ilmenau. Die Altstadt und die Kasernen blieben von Angriffen verschont. 1945 nutzten britische Soldaten die Scharnhorstkaserne, die damals aus 24 Gebäuden, die sich auf eine Fläche von 14,2 Hektar verteilten, bestand. Die deutsche Armee – und mit ihr die Hoffnungen vom wirtschaftlichen Aufschwung – waren zu diesem Zeitpunkt endgültig zerschlagen. 1957 räumten Lüneburgs damaliger Oberbürgermeister Peter Gravenhorst und Oberstadtdirektor Walter Böttcher ein, dass man sich durch die Verlegung der Truppenkontingente nach Lüneburg stark verschuldet habe. Kurt Hölzer berichtet von einem glimpflichen Ausgang des Kriegs. Seinen letzten Abend als Soldaten feierte er mit Kameraden in einer selbst gebauten Bar im Keller des Gebäudes 10. Froh über das Wehrdienstende verließen die Reservesoldaten anschließend das Gelände, das nunmehr als Militärstandort ausgedient hatte.

„Schwerter zu Pflugscharen – Kasernen zu Universitäten“ oder: eine unerhörte Konversion        

In deutsche Hand – nämlich in die der Bundeswehr – gelangte die Scharnhorstkaserne erst wieder 1958. Was damals und während der britischen Besetzung geschah, ist noch ungeklärt. Sicher ist jedoch, dass Lüneburg nach Ende des Kalten Kriegs abermals in eine kleine ökonomische Krise rutschte: Im Zuge von Ende des Kalten Krieges und deutscher Wiedervereinigung wurde die Verteidigungslinie neu geordnet, was hieß, dass das Militär an vielen Standorten weichen musste.

So geschah es auch in Lüneburg. Von den vier Lüneburger Kasernen wurden im Laufe der Jahre drei von der Bundeswehr aufgegeben. Weniger Soldaten und Zivilbeschäftigte bedeuteten für die Stadt einen enormen Kaufkraftverlust. Zudem mussten für die nun ungenutzten Flächen und Gebäude, zu denen auch die Scharnhorstkaserne zählte, neue, zivile Nutzungen gefunden werden. Es war im Nachhinein betrachtet eine Gunst der Stunde, dass Lüneburgs Universität zu jener Zeit mit Problemen räumlicher Art zu kämpfen hatte. Als Pädagogische Hochschule 1946 gegründet und 1978 zur „wissenschaftliche[n] Hochschule mit Promotions- und Habilitationsrecht“ geworden, verzeichnete die Universität einen enormen Zuwachs. Für 5.000 Studierende standen in den Gebäuden am Standort Rotes Feld lediglich 1.400 flächenbezogene Studienplätze zur Verfügung. Auch das wissenschaftliche Personal hatte unter der Raumnot zu leiden, obwohl die Universität im gesamten Stadtgebiet 15 zusätzliche Anmietungen vorgenommen hatte.

Die Lage war äußerst angespannt. Eine Lösung musste dringend gefunden werden. Unter anderem wurden vom damaligen Präsidenten Professor Dr. Hartwig Donner Pläne zur Schaffung neuer Flächen für die Universität durch einen Neubau im Umfeld des Wilschenbrucher Weges verfolgt. Mit der Aufgabe der Scharnhorstkaserne entstanden neue Möglichkeiten. Mit einem von der Hochschulleitung in Auftrag gegebenen Gutachten des damaligen Staatshochbauamtes Lüneburg konnte nachgewiesen werden, dass mit der Nutzung der freigewordenen Liegenschaft in idealer Weise der Raumbedarf der Universität gedeckt werden könnte. Diese Lösung fand auch – parteiübergreifend – die Zustimmung der politisch Verantwortlichen. Zu den treibenden Kräften zählten die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Helga Schuchhardt, die Landtagsabgeordneten Wolfgang Schurreit und Uwe Inselmann sowie Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Sie alle verfolgten zusammen mit der Hochschulleitung das Ziel, die Universität komplett auf das Gelände der einstigen Scharnhorstkaserne zu verlagern. Leicht war der Umzug nicht in die Wege zu leiten. Trotz räumlicher Eignung der Gebäude regte sich Widerstand: Studierende an einem Ort leben und lernen zu lassen, der mit Krieg, Zerstörung und Gehorsam assoziiert wurde, schien sich mit dem freien Geist der Wissenschaft nicht vereinbaren zu lassen. 1993 begann schließlich die auf drei Bauabschnitte angelegte Konversion der Kaserne. Vier Jahre später öffnete der neue Universitätsstandort seine Pforten. Aus der einstigen Wehrmachts-Kaserne war ein Ort für Forschung und Lehre geworden, der neben Seminarräumen, Hörsälen, Institutsgebäuden, einer Bibliothek und einer Mensa auch über Studentenwohnheime, Veranstaltungsräume, Freizeitflächen und sogar über einen Biotopgarten verfügte.

  • Aus Alt mach Neu: Gebäude 9 im Jahr 2016 © Mikalo/Fricke
    Aus Alt mach Neu: Gebäude 9 im Jahr 2016 © Mikalo/Fricke

Durch den Umbau ist manches aus der militärischen Vergangenheit des Campus heute nicht mehr zu erkennen: Der Weg, auf dem zur Mittagszeit reihenweise hungrige Studierende von Gebäude 15 zur Mensa laufen, hieß früher Rothenbücher Straße. Auf ihm marschierten Soldaten auf und ab.

Wo heute im Biotopgarten Vögel zwitschern und Bienen summen, und wo Menschen auf der Mensawiese Sport treiben oder sich entspannen, befanden sich früher die Exerzierplätze Ost und West. Den Pinsel schwingen kann man heute in Gebäude 22, einem Mal- und Zeichenraum. Zu Bundeswehrzeiten wurden dort Soldaten im Gebrauch der Gasmaske geschult. Einige Gebäude wurden vollständig abgerissen, wie etwa eine Reithalle und eine Stallanlage für Kavalleriepferde, die ebenfalls in der Nähe von Gebäude 22 standen. Auch das Wachhaus vor Gebäude 10 und die Telefonzelle vor dem Gebäude mussten dem Fortschritt weichen. Heute treten auf dem Campus Vergangenheit und Gegenwart in einen Dialog: Durch die roten Backsteingebäude, die auf gläserne Hörsäle treffen, und die streng symmetrische Ordnung, die durch begrünte Flächen aufgelockert wird, ist das Gelände mittlerweile ein Ort der Moderne und der Transparenz, der seine dunkle Vergangenheit nicht zu verbergen versucht – sie aber auch nicht verherrlicht.

 Der akademische Geist erwacht

Mit den Neubauten auf dem Campus wurde das 1966 gegründete Architekturbüro Mansberg, Wiskott & Partner beauftragt. Architekt Carl-Peter von Mansberg hatte sich einer anspruchsvollen Aufgabe zu stellen: „Ein bloßes Raumprogramm für die Umnutzung der ehemaligen Militärgebäude zu Seminar- und Büroräumen sowie für die geforderten Neubauten wie Bibliothek, Mensa und Hörsäle reicht[e] nicht aus, um einen universitären Geist an dem Ort zu etablieren.“
Stattdessen musste etwas geschaffen werden, das den Campus als zivilgesellschaftlichen Standort markierte. Die Lösung dafür fanden von Mansberg und sein Team in der Nutzung des bereits erwähnten Glases, das als transparentes Element auch demokratiefördernd wirkt, und von Holz – ein nicht nur ökologisches, sondern zugleich einladendes Material. Zum Backstein traten die moderneren Baumittel Stahl und Beton hinzu. Die vielen Bäume, Büsche und Rasenstücke auf dem Gelände sollen zum einen gemütlich erscheinen, zum anderen in ihrer Vernetzung das Hinwegsetzen über (Denk-)Grenzen symbolisieren.

Der Campus in seiner jetzigen Form wurde 1998 fertigstellt. „Eine vernünftigere Umwandlung“ als die der Kaserne zur Universität „ließe sich kaum denken“, befindet der Journalist Marco Finetti. Tatsächlich gelang es Lüneburg durch die Konversion, das Gelände wieder mit Leben zu füllen und zu einem Ort von Forschung, Lehre und studentischem Leben zu machen. Außerdem wurde der Kaufkraftverlust durch den Abzug der Soldaten so mehr als ausgeglichen.

Studieninteressierte scheint die militärische Vergangenheit des Geländes nicht abzuschrecken. 2014 zählte die Leuphana Universität 9076 eingeschriebene Studierende, rund hundert mehr als im Vorjahr. Möglicherweise schätzen junge Menschen nicht nur das fachliche Angebot, sondern auch die Architektur der Leuphana Universität Lüneburg. Bei der Umgestaltung orientierten sich von Mansberg (der selbst aus einer Soldatenfamilie stammt und dem die bürgerlich-zivile Ausrichtung des Geländes deshalb besonders am Herzen lag) und sein Team an vier bautypologischen Schwerpunkten: Neben der Konversion alter Kasernengebäude in Seminar- und Büroräume – für die das Lüneburger Staatshochbauamt verantwortlich zeichnete – wurden Bauelemente wie die Hörsäle und der Hörsaalgang neu hinzugefügt. Eine alte Panzerreparaturhalle wurde in den Baukörper der Bibliothek integriert. Auch beim Mensabau wurden alte und neue Bauelemente miteinander verbunden. Insgesamt orientierten sich die Architekten am Leitsatz „form follows function“. Die praktische Komponente stand beim Bau im Vordergrund. Wie es sich für eine moderne Universität gehört, gab es jedoch noch eine zweite, mehr auf die Ästhetik abzielende Baudevise. Mit der Formel „air, son, lumière“ – Luft, Klang und Licht – brachte der Weltarchitekt Le Corbusier sein Ideal der Gebäudegestaltung auf den Punkt.

Und so ist die Leuphana Universität Lüneburg heute ein Ort, an dem akademische Luft geatmet, der Klang tausender Stimmen gehört und Licht in allen Spektren gesehen werden kann. Das Lüneburger Universitätsgelände blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Die Aufarbeitung der 55 Jahre andauernden Militärzeit steckt noch in den Anfängen. Die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen macht große Fortschritte. Die vorbildliche und europaweit einmalige Konversion der Kaserne zum Campus führte dazu, dass das Projekt im Jahr 2000 dezentraler Standort der Weltausstellung Expo in Hannover wurde, als Modellfall nachhaltiger Regionalentwicklung. Und am 11. März 2017 ist auf dem Campus das neue Zentralgebäude der Universität eröffnet worden, ein Werk des jüdischen Stararchitekten Daniel Libeskind.

Aufsehen und Kritik erregend – das neue Zentralgebäude

Bis zur feierlichen Einweihung des Zentralgebäudes war es ein weiter Weg. Erste Überlegungen für einen solchen Bau begannen schon 2007 – Anlass hierfür war die Weiterentwicklung des Campus, die vorsah, die Nebenstandorte Rotes Feld und Volgershall in den Hauptstandort an der Scharnhorststraße zu integrieren.

Der Entwurf für das neue Zentralgebäude der Leuphana stammt von dem weltbekannten Architekten Daniel Libeskind – bekannt unter anderem für das Jüdische Museum in Berlin, das Imperial War Museum North in Manchester und für seine Pläne zur Wiederbebauung des Ground Zeros in New York. Libeskind hat von 2007 bis 2016 als nebenberuflicher Professor an der Leuphana gelehrt. Die Ideen für das neue Gebäude entwickelte er gemeinsam mit Studierenden.

Die Grundsteinlegung für das neue Zentralgebäude erfolgte am 8. Mai 2011. Nicht zufällig fiel das Datum auf den Jahrestag der Teilkapitulation der deutschen Wehrmacht – dass das Projekt einen Kontrapunkt zur Militärvergangenheit darstellen sollte, hatte von Anfang an festgestanden. Die eigentlichen Bauarbeiten begannen am 15. Februar 2012. Ende Januar 2017 nahm die Stadt Lüneburg das fertige Gebäude ab.

  • Durch seine schrägen Außenwände wirkt das Gebäude futuristisch © Mikalo/Fricke
    Durch seine schrägen Außenwände wirkt das Gebäude futuristisch © Mikalo/Fricke

Mit dem neuen Gebäude wurde eine Nutzfläche von 13.000 Quadratmetern geschaffen, die neben zahlreichen Büro- und Seminarräumen für die Studierenden viel Platz zum Lernen und Arbeiten zur Verfügung stellt und für die Wissenschaftler neue Flächen für Forschung und Lehre schafft. Das Herzstück des neuen Gebäudes ist das Auditorium Maximum, kurz Audimax. Es bietet gut 1.000 Menschen Platz und soll neben universitären Veranstaltungen als Stadt- und Kongresshalle dienen.

Eine weitere Besonderheit ist der von Studierenden mit entworfene und im dritten Stock des Gebäudes gelegene „Raum der Stille“. Er dient zum einen der stillen Kontemplation und dem Gebet. Zum anderen soll er einen interreligiösen Austausch anregen und den Dialog über das Verhältnis von Religion, Wissenschaft und Öffentlichkeit fördern..

Das Zentralgebäude steht auf dem südöstlichsten Teil des Campus. Sein Haupteingang liegt an der Universitätsallee (seit 2017 so benannt, vorher: Uelzener Straße); auf der anderen Seite des Gebäudes befinden sich die vom Campus aus zu erreichenden Eingänge.

Nach einem Jahr zählte der „Libeskindbau“ schon mehr als 10.000 Besucher – immerhin war er ja auch Gegenstand zahlreicher kontroverser Diskussionen. Ein immer wiederkehrender Kritikpunkt waren die Kosten des Projekts: Sollten sie ursprünglich bei 58 Millionen Euro liegen, übersteigen sie in der Schlussabrechnung möglicherweise die 100-Millionen-Euro-Marke. Weiterhin nahmen Kritiker Anstoß an der Architektur des Bauwerks: Diese glich angeblich mehr einem Kunstwerk als einem funktionalen Gebäude, das sich in die geradlinigen Strukturen des Campus eingefügt hätte. Daniel Libeskind wies die Vorwürfe mit dem Argument zurück, dass das Gebäude die nach wie vor auf dem Campus vorhandenen Strukturen aus der Militärzeit aufbrechen sollte: “It is an entrance building. […] so definitely it changes the kind of the orientation of where the center of the campus is.”

Indem er die für seinen Stil typische asymmetrische Form, s. Abb. 10, verwendete, grenzte Libeskind sich bewusst von der übrigen Architektur des Campus ab. Anstatt aus Backstein besteht die Außenfassade des Zentralgebäudes aus Glas und Titanzink. Weite Teile der Dachflächen wurden begrünt. Zudem ist der Bau energieeffizient konstruiert. Dem Gedanken der Nachhaltigkeit entsprechend ist der Ressourcenverbrauch auf ein Minimum reduziert.

All das hat natürlich einen Zweck: Statt Strenge und Disziplin soll der „Libeskindbau“ Transparenz und Demokratie symbolisieren. Damit verkörpert er nicht nur den Lebensstil des 21. Jahrhunderts, sondern bildet auch einen Ort der Begegnung für Studierende und für Menschen in und außerhalb Lüneburgs. Als neuer Knotenpunkt des akademischen und gesellschaftlichen Lebens zeigt das Zentralgebäude somit an, welche Richtung die Universität einschlagen möchte: weg von der dunklen Vergangenheit, hin zu einer besseren Zukunft.

2 Kommentare

  1. 1. Wenn die Kaserne in den 30er Jahren errichtet wurde und 1936 fertiggestellt, dann kann sie nicht dem typischen Stil der Kaiserzeit entsprechen, denn die war 1918 zuende. Die Kaserne entspricht in ihrem Stil dem Wehrmachtsprogramm der schnellen Wiederaufrüstung ab 1933. Ich schlage Korrektur vor.
    2. Aus der einstigen „Nazi-Kaserne“ war ein Ort für Lehre und Forschung geworden. Es war eine Wehrmachtskaserne. Und selbst wenn es Spaß macht mit diesem grausigen Begriff Nazi zu spielen: Die Kaserne diente knapp 9 Jahre der Wehrmacht (1936 bis 1945), aber von 1958 bis 1990 (?), also über 30 Jahre der Bundeswehr zu einem guten Zweck: Landesverteidigung ist auch ein Staatszweck. Ich schlage weniger modische Formulierungen und mehr Faktennähe vor.

    Ich „genoss“ im Frühjahr 1963 meine Grundausbildung in der Scharnhorstkaserne sowie Fahrschulausbildung im Sommer 1963 und habe Lüneburg in so guter Erinnerung, dass ich seitdem die Stadt des öfteren besuche.

    1. Lieber Herr Professor Sack, vielen Dank für Ihren aufmerksamen Kommentar. Worauf im Text beziehen Sie sich wenn Sie von Kaiserzeit reden? Der Text erwähnt hier sehr wohl, dass es sich um den Stil der „Kasernenzeit“ handelt. Im zweiten Punkt nehmen wir Ihren Kommentar gerne mit auf, wobei an dieser Stelle auch die heute nachgewiesenen Kriegsverbrechen der Wehrmacht unter dem Nationalsozialismus nicht außer Acht gelassen werden sollten.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Ihr Lüneplaner-Team

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.