Das Deutsche Salzmuseum

Ein Beitrag von Lara Golombek und Anna-Lena Lubitz

Das weiße Gold Lüneburgs – Das Deutsche Salzmuseum

Salz gehört zu den fünf wichtigsten Rohstoffen, jährlich werden weltweit circa 260 Millionen Tonnen produziert, alleine 19 Millionen Tonnen davon kommen aus Deutschland, womit wir auf Rang 3 der höchsten Produktionen liegen. Ein beachtlicher Teil davon kam bis 1980 direkt aus Lüneburg.

Salz und die Lüneburger Saline hatten einen besonderen Einfluss auf die Geschichte der Stadt. Über 1000 Jahre lang wurde tonnenweise das unter der Erde liegende Salz in dieser Anlage gewonnen. Die Saline galt als ein hochkomplexer mittelalterlicher Industriebetrieb, der trotz oftmals rückständiger Technik so gut funktionierte, dass der Salzabsatz bis in die Neuzeit boomte. Das letzte Betriebsgebäude wird heute als Ausstellungsort des Deutschen Salzmuseums genutzt, welches die Geschichte und die Herstellungsweisen des Lüneburger Salzes veranschaulicht.

Die Geschichte der Lüneburger Salzgewinnung

Das Museum ist neben einem Supermarkt am Ort der alten Lüneburger Saline zu finden. Der Hauptteil des Museums befindet sich im 1924 errichteten Siedehaus. Die Lüneburger Saline war eine der ältesten und größten Industriebetriebe Europas bevor der Betrieb 1980 wegen Unrentabilität eingestellt wurde. Die Saline wurde 1983 als Denkmal anerkannt, nachdem das Salinengelände eigentlich verkauft wurde, sich aber eine Bürgerinitiative für den Erhalt dieses so wichtigen Pfeilers der Lüneburger Stadtgeschichte einsetzte. 1989 wurde dann das „Deutsche Salzmuseum/Industriedenkmal Saline Lüneburg“ als eines der ersten Industriedenkmale Deutschlands eröffnet. Schon zwei Jahre später wurde das Museum mit dem Museumspreis des Europaparlaments für den Beitrag zur kulturellen Vielfalt ausgezeichnet. 2009 wurde das Deutsche Salzmuseum in das Niedersächsische Museumsregister eingetragen, für das eine erfolgreiche Museumsarbeit in allen Bereichen vorangegangen ist.

  • 50kg Salzsäcke ausgestellt im Museum © Golombek/Lubitz
    50kg Salzsäcke ausgestellt im Museum © Golombek/Lubitz

Die Anfänge der Salzgewinnung sind auf eine Sage zurückzuführen. Danach wurde das Salz vor mehr als 1.000 Jahren von einem Jäger entdeckt, der ein weißes Wildschwein, auch bekannt als die Lüneburger Salzsau, geschossen hatte. Im Fell des Tieres befanden sich Salzkristalle, es gilt also als Entdecker der Solequelle.

Tatsächlich befinden sich 250 Millionen Jahre alte Salzablagerungen unterhalb Lüneburgs. Da das Grundwasser das Salz auf der Oberfläche des Salzstockes auflöste, reicherte sich eine gesättigte Salzlösung von 26 % an. So konnte schon früh in Lüneburg Salz gewonnen werden. Der Salzstock unter Lüneburg hat die Stadt im Mittelalter nicht nur reich gemacht, noch heute sind die Spuren des Salzabbaus im ehemaligen Handwerkerviertel deutlich zu sehen: einige Häuser und auch Kirchen fielen den Erdsenkungen gänzlich zum Opfer, an einigen Bauwerke sind die Senkungsschäden auch heutzutage noch sichtbar.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Saline im Jahr 956 in Lüneburg Salz abgebaut, als Kaiser Otto 1. dem Lüneburger Kloster St. Michaelis die Zollrechte für die Saline gab. Die Anlage hatte 54 Siedehütten, die um den Salzbrunnen, den sogenannten Sod, angeordnet waren. Jede Siedehütte hatte vier Siedepfannen auf Lehmöfen, die mit Sole aus der Siedekammer über Zuflüsse gespeist wurden. Durch die Hitze verdampft das Wasser und das übrig gebliebene Salz kristallisiert. Die Siedehütten wurden rund um die Uhr betrieben. Dafür waren mindestens vier Personen nötig: der Sieder, die Kohlendrägersche, der Salzvoigt und meistens ein Kind als Handlanger (z.B. Holzholen und Öfen befeuern).

Auf dem Gelände der Lüneburger Saline gab es einen Verkaufspunkt für kleine Waren. Heute sind in den Außenanlagen neben dem Siedehaus noch viele verschiedene kleinere Gebäude zu sehen sowie ein Schild mit dem Schriftzug “Glück auf”. Der Schriftzug befindet sich an der Stirnseite des Brunnenhauses. Dieses Haus steht über dem ehemaligen Brunnenschacht. Das Gelände ist noch immer von einem kleinen Wallrest umgeben, früher waren hier sogar hohe Mauern. Zusätzlich gibt es noch zwei historische Solespeicher.

Transport und Handel des Lüneburger Salzes

Aus Lüneburg wurde das Salz schon zu frühen Zeiten mit Pferdewagen abtransportiert. Die Überführung über den Landweg war allerdings teuer, da für Salzfuhren Zölle erhoben wurden. Später dann, Anfang des 15. Jahrhunderts, wurde der Wasserweg für den Transport gewählt, das Salz wurde also auf der Ilmenau, der Elbe, dem Stecknitz-Kanal und der Trave verschifft. Zudem gab es kombinierte Land- und Wasserwege. Im 19. Jahrhundert wurde es dann über die Eisenbahnverbindung transportiert, vor allem über die wichtige Nord-Süd-Verbindung Richtung Süden. Allerdings wurden auch große Teile des Lüneburger Salzes zum Hauptumschlagplatz des Salzhandels, nämlich nach Lübeck, transportiert, wo heute noch immer die Salzspeicher nahe dem Holstentor begutachtet werden können. Von diesem wichtigen Ostseehafen wurde Salz in den gesamten Ostseeraum, in dem selbst keine Salzlagerstätten vorhanden waren, exportiert.

  • Historischer Pferdewagen © Golombek/Lubitz
    Historischer Pferdewagen © Golombek/Lubitz

Lüneburg war als Salzlieferant der Hanse auf gut ausgebaute Transportwege und strategisch günstig gelegene Lagerhäuser angewiesen. Aber nicht nur im Ostseeraum wurde das Salz dringend benötigt und gekauft, auch für die Stadt- und Landbevölkerung war das “Weiße Gold” sehr wichtig. Auf dem Platz “Am Sande” wurde außer verschiedensten Waren eben auch Salz gehandelt. Lüneburg war also stark geprägt von Salz und dessen Handel: Auf dem Weg von der Saline bis zum alten Lüneburger Hafen zeugen die beeindruckenden Giebelhäuser der Sülfmeister sowie Lagerhäuser und der alte berühmte Kran am Stint, der für die Förderung des Salzes zuständig war, von der Wichtigkeit des Salzes für die Stadt Lüneburg. Überwiegend wurde das Salz jedoch auf der anderen Flussseite, im Viskulenhof, mit menschlicher Muskelkraft verladen.

Im Mittelalter galt das Lüneburger Salz sogar als bestes Salz Deutschlands. Um 1600 verlor Lüneburg dann das Salzmonopol und es wurde folglich immer weniger Salz abgebaut. Heutzutage werden nur noch geringe Mengen Sole für den Betrieb der Salztherme „SaLü“ gefördert.

Der Aufbau des Deutschen Salzmuseums

Der Hauptteil des Museums befindet sich im 1924 erbauten Siedehaus. Ein Eisenbahnwaggon vor der eigentlichen Saline dient als Eingang, der an die Verladestation und den Transport gen Süden erinnern soll.

Das Museum gliedert sich grob in vier Ausstellungsbereiche: Allgemeine Bedeutung von Salz und alltägliche Fakten, Mittelalter und frühe Neuzeit, das 19. Jahrhundert und schließlich das 20. Jahrhundert. Im ersten Teil des Museums werden Salzkristalle ausgestellt und die Bedeutung des Salzes für den Menschen erklärt. Man erhält außerdem die Möglichkeit, sich mit der chemischen Seite des Kochsalzes auseinander zu setzen. Die Bedeutung des Salzes für die chemische Industrie sowie den menschlichen Körper wird unterhaltsam und anschaulich dargestellt. Außerdem werden auch die Salzhandelsrouten auf einer großen Karte vom Mittelalter bis ins 16. Jahrhundert in Europa veranschaulicht. Man entdeckt verschiedene mittelalterliche Fortbewegungsmittel und erfährt spannende Informationen über den teilweise gefährlichen Transport. Auch die Entstehung und die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten von Salz werden illustriert, denn immerhin ist Salz einer der fünf wichtigsten Rohstoffe der Welt.

Im folgenden eher historischen Teil des Museums wird die Geschichte Lüneburgs als Bergwerkstadt erklärt. Dazu werden die Pumpvorgänge mithilfe einer Wassermühle und dem Salzbrunnen an verschiedenen kleineren Modellen simuliert. In diesem Teil wird Salz nochmals im chemischen Zusammenhang erläutert, also als ein Mineral selbst, denn auch wenn man umgangssprachlich von Salz spricht, ist hier spezifisch Kochsalz gemeint, also Natriumchlorid. Alle Verbindungen, in denen es positiv sowie negativ geladene Ionen gibt, heißen Ionenverbindungen oder eben Salz. Das Kochsalz gilt also nicht zu verwechseln mit beispielsweise Gips oder Kalk, die schließlich auch in die Gruppe der Salze gehören.

Im oberen Teil des Museums befindet sich eine Salzküche, in der die Besucher Salz aus echter Lüneburger Sole kochen können. Hier schlüpft also jeder selbst in die Rolle des Salzsieders, der das wertvolle Salz im Mittelalter herstellte. Man verfolgt den Weg vom unterirdischen Salzwasser zum “Weißen Gold”. Neben dem spezifischen Ablauf der Gewinnung von Salz sind auch die Arbeitsbedingungen der Salzarbeiter beschrieben. In Vitrinen werden verschiedene historische Salzbehälter ausgestellt sowie einige besonders geformte Salzkristalle. Im dritten Teil des Museums wird dann das Sieden von Salz im 19. Jahrhundert gezeigt, zusammen mit verschiedenen Siedeformen. Zum Ende hin gibt es eine historische Fotoausstellung, die die Entwicklung noch einmal verbildlicht sowie eine spezielle Beschreibung des Weges des Lüneburger Salzes darstellt.

Im Museum werden immer wieder unterschiedliche Sonderausstellungen gezeigt. Ein Teil einer nachgebauten Siedehütte auf dem Außengelände der Saline wird auf Anfrage für Veranstaltungen genutzt. Hier wird der Salzsiedeprozess an befeuerten Salzsiedepfannen von Mitarbeitern des Museums demonstriert. Insgesamt hat das Museum viele Bildschirme, die den Besucher entweder interaktiv miteinbeziehen oder auch informative Filme zeigen. Am Ausgang befindet sich ein Souvenirshop, in dem man neben gängigen Mitbringseln auch Bücher zur Thematik wie auch salzhaltige Kosmetik kaufen kann. Bald soll man hier im Online-Shop auch von zu Hause bequem einkaufen können.

Die SalzWerkStadt, die ebenfalls zum Deutschen Salzmuseum gehörte, war eine Bildungs- und Projektwerkstatt. Sie wurde gemeinsam vom Arbeitskreis Lüneburger Altstadt, JobSozial, der Volkshochschule Region Lüneburg, ARGE und dem Deutschen Salzmuseum betrieben, um verschiedene kulturelle und soziale Projekte umzusetzen, wie beispielsweise Teilnehmer auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Die Salzwerkstatt wurde 2011 mit Fertigstellung der historischen Salzschiffe Ewer und Prahm, im Hafen liegend, beendet.

  • Nachbildung des historischen Stintmarktes, der Giebelhäu-ser und des Krans © Golombek/Lubitz
    Nachbildung des historischen Stintmarktes, der Giebelhäu-ser und des Krans © Golombek/Lubitz

Wissenswertes über das Museum

Das Deutsche Salzmuseum sowie das Deutsches Salzmuseum/Industriedenkmal Saline Lüneburg befinden sich in der Sülfmeisterstraße 1 in 21335 Lüneburg. Es ist täglich von jeweils 10:00-17:00 Uhr geöffnet. Von Mai bis September sind die Türen von Montag bis Freitag von 09:00-17:00 Uhr offen, am Wochenende und an Feiertagen von 10:00-17:00 Uhr. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 7 €, ermäßigt 4-6 € und für Kinder unter 6 Jahren ist er frei. Für Besuchergruppen oder Familien gibt es besonders preiswerte Tarife. Einstündige Führungen werden 2-3 Mal täglich angeboten, eine Anmeldung ist vorher nicht erforderlich. Sie kostet zusätzlich zum Eintritt 1,50€ und ist für Kinder ebenfalls frei. Gegen einen geringen Aufpreis können die Führungen auch in vielen weiteren Sprachen durchgeführt werden, unter anderem auch auf Plattdeutsch. Das historische Salzsieden inklusive einer Führung findet durchgängig das ganze Jahr statt. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite www.salzmuseum.de.

Das Deutsche Salzmuseum ist Lüneburgs meist besuchtes Museum und bietet einen Ausflug in einen modernen Zweig des Tourismus, dem Industrietourismus. Es lädt zu einem Besuch ein für alle großen und kleinen Museumsentdecker, die Freude am spielerischen Forschen, interaktiven Gestalten und Zuhören haben. Den Spuren des Lüneburger Salzes kann man in diesem Museum vom Mittelalter bis heute in allen Details folgen.

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