Hannoverscher Bahnhof

Ein Beitrag von Nathalie Döpken

Wo Naherholung, historisch-politische Bildung und Gedenken aufeinander treffen

Mitten in Hamburgs jüngstem Stadtteil, der HafenCity befindet sich der Standort des ehemaligen Hannoverschen Bahnhofs. Dort, wo heute täglich viele Besucher aus aller Welt hinströmen, um sich im Lohsepark zu entspannen oder um die nahegelegene Elbphilharmonie zu spazieren, starteten von 1940 bis 1945 Deportationszüge in Ghettos und Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Insgesamt wurden über 8000 Menschen vom Hannoverschen Bahnhof aus in Richtung Osten deportiert – nur wenige hundert von ihnen überlebten. Bełżec, Łódź, Minsk, Riga, Auschwitz und Theresienstadt waren die Zielorte der 20 Deportationszüge. Auch Männer, Frauen und Kinder aus der Umgebung Lüneburgs gehörten zu den Deportierten. Der im Mai 2017 eingeweihte Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof soll an die nationalsozialistischen Verbrechen erinnern und die Besucher über die Geschichte des Ortes informieren. Es ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen.

  • Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof © Döpken
    Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof © Döpken

Lage und Anfahrt – Quartier „Am Lohsepark“

Die Hamburger HafenCity ist in insgesamt zehn Quartiere eingeteilt, die sich bezüglich Nutzungsweisen und architektonischem Stil unterscheiden. Der Gedenkort ist in das Quartier „Am Lohsepark“ integriert, dessen Herzstück der rund 4,4 ha große gleichnamige Park darstellt. Neben der ausladenden Freizeit- und Naherholungsflächen bietet das Quartier außerdem Wohnraum, Büroflächen, touristische Unterkünfte sowie Raum für Einzelhandel und soziale Einrichtungen und stellt somit ein interessantes Beispiel für die Umsetzung multifunktionaler Stadtplanung dar.

Aus Lüneburg erreicht man die U-Bahnstation „HafenCity Universität“ einfach und nachhaltig mit dem Metronom und der U-Bahn – und das schon in unter einer Stunde. Von der Haltestelle aus sind es nur noch weniger als 300 m Fußweg bis zum Gedenkort. Wem die Bahnfahrt von Lüneburg bis zum Hamburger Hauptbahnhof lang genug war und Lust auf etwas Bewegung hat, erreicht den Lohsepark von dort aus auch zu Fuß in etwa 20 Minuten.

Lagekarte Lohsepark und denk.mal Hannoverscher Bahnhof © Open Street Map

Geschichte des Hannoverschen Bahnhofs

Von der Einweihung im Jahre 1872 bis zu der 1955 erfolgten Sprengung hat sich die Nutzung des Hannoverschen Bahnhofs mehrfach geändert. Es lassen sich drei Hauptnutzungsphasen des Bahnhofs ausmachen.

Erste Phase: 1872-1906

In den 1830er Jahren wurde die Notwendigkeit erkannt, die Hansestadt Hamburg zu einem Eisenbahnknotenpunkt zu entwickeln. Der Stadtstaat sollte besser mit seinem Umland vernetzt werden, um Handel und Personenverkehr weiter voranzutreiben. Besonders wichtig war hierbei die Anbindung an die Elbe, da sie sowohl den Anschluss an internationale Seeschifflinien als auch an die Binnenwasserwege ermöglichte. In den folgenden Jahrzehnten wurden dementsprechend einige Bahnhofsbauprojekte realisiert.

Im Zuge der verkehrstechnischen Entwicklung Hamburgs wurde so, im Jahre 1872, auch der Hannoversche Bahnhof eröffnet. Kurz zuvor wurde durch die Fertigstellung der beiden Elbbrücken über Norder- und Süderelbe die Anbindung Hamburgs in Richtung Süden gewährleistet. Der Hannoversche Bahnhof wurde vorerst Pariser oder Venloer Bahnhof genannt, da ursprünglich eine Eisenbahntrasse von Paris über Venlo und Hamburg bis nach St. Petersburg geschaffen werden sollte, welche letztendlich nicht realisiert wurde. So erfolgte eine Umbenennung des Bahnhofs im Jahre 1892.

Letztendlich verknüpfte der Hannoversche Bahnhof die Hansestadt mit Hannover, Cuxhaven und dem Ruhrgebiet. In dieser ersten Phase des Bahnhofs wurde er, begründet durch seine zentrale Lage und gute Anbindung, vorrangig für den Personenverkehr genutzt. Besonders für Aus- sowie Rückwanderer aus den USA war der Hannoversche Bahnhof ein hochfrequentiertes Ziel.

Zweite Phase: 1907-1939

Mit der Eröffnung des Hamburger Hauptbahnhofs im Jahre 1906 verlor der Hannoversche Bahnhof seine Rolle als zentraler Personenbahnhof. Er wurde nun hauptsächlich als Güterbahnhof für Gepäck und Eilgut genutzt, der Personenverkehr bestand jedoch vorerst im Kleinen, für spezielle Zwecke, weiter:

Ab 1913 wurde der Bahnhof wieder für die Abfertigung von Auswanderern genutzt. Diese fuhren von Hamburg nach Cuxhaven, um von dort aus die Reise über den Wasserweg in die USA anzutreten. Ab 1914 war der Hannoversche Bahnhof außerdem Ziel von Menschen, die eine erholsame Zeit in der Lüneburger Heide verbringen wollten. Darüber hinaus wurde er zur Zeit des Ersten Weltkrieges, in den Jahren 1914-1918, für Truppen- und Verwundetentransporte genutzt.

Nach Kriegsende war der Bahnhof ausschließlich für den Gütertransport zuständig. Durch die Nähe zur Speicherstadt und den damaligen Markthallen (heute: Deichtorhallen) eignete sich der Hannoversche Bahnhof besonders gut zum Umschlag von Obst und Gemüse. Dieses wurde beispielsweise aus dem größten zusammenhängenden Blumen- und Gemüseanbaugebiets Deutschland, der Vier- und Marschlande, über das Wasser und später auch den Schienenweg in Richtung Innenstadt transportiert.

Dritte Phase: 1940-1945

Im Jahre 1940 begann das dunkle Kapitel der Geschichte des Hannoverschen Bahnhofs. Die Nationalsozialisten funktionierten ihn zu einem Ort des Terrors um – er wurde zum zentralen Deportationsbahnhof für Juden und Sinti und Roma aus Hamburg und dem norddeutschen Raum.

Die etwas abgeschottete Lage des Hannoverschen Bahnhofs war ein Grund für seinen neuen mörderischen Zweck. Ebenfalls wichtig für die Nationalsozialisten war ausreichend Platz, den der Bahnhof aufgrund seiner vorherigen Nutzung als Güterbahnhof bieten konnte sowie gute Rangiermöglichkeiten, da teilweise Waggons aus anderen Städten den Transporten aus Hamburg angehängt wurden. Jüdische Bewohner Hamburgs mussten sich an zentralen Sammelstellen, öffentlich sichtbar und inmitten der Hamburger Innenstadt einfinden, um von dort aus weiter zum Deportationsbahnhof transportiert zu werden. Die Sinti und Roma wurden mehrere Tage lang im sogenannten Fruchtschuppen, welcher in unmittelbarer Nähe zum Hannoverschen Bahnhof lag, festgehalten, bevor sie in die Deportationszüge gezwungen wurden.

Insgesamt starteten 20 Deportationszüge vom Hannoverschen Bahnhof aus. Mehr als 8000 Menschen mussten ihre Heimat von hier aus verlassen. Die meisten kamen nie zurück – nur wenige hundert Menschen überlebten die unmenschlichen Bedingungen während der Deportationen und in den Ghettos sowie den Konzentrations- und Vernichtungslagern.

  • 20.05.1940 – Deportation nach Bełżec
  • 25.10.1941 – Deportation ins Ghetto Łódź
  • 06.12.1941 – Deportation nach Riga
  • 08. und 18.11.1941 – Deportationen nach Minsk
  • 11.07.42 und 12.02.1943 – Deportationen nach Auschwitz
  • 11.03.43 und 18.04.1944 – Deportationen von Sinti nach Auschwitz
  • Zwischen 1942 und 1945 – insgesamt elf Deportationen nach Theresienstadt

 

Deportierte aus Lüneburg

Die Geschichte des Hannoverschen Bahnhofs ist auch mit der Geschichte Lüneburgs verknüpft. Wie bereits erwähnt, waren nicht nur Menschen aus Hamburg betroffen – auch Menschen aus Lüneburg und Umgebung wurden von den Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und ermordet.

Die Historikerin Dr. Kristina Vagt arbeitet und forscht für die KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Sie hat sich mit den Schicksalen der aus Lüneburg über den Hannoverschen Bahnhof deportierten Juden und Sinti und Roma beschäftigt und berichtet von ihrer Arbeit und ihren Erkenntnissen:

Sehr geehrte Frau Dr. Vagt, was und wozu recherchieren Sie im Zuge ihrer Arbeit für den Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof?

Für die Namenstafeln des im Mai 2017 eingeweihten Gedenkorts „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ habe ich die Namen und Geburtsdaten der deportierten Juden, Roma und Sinti zusammengestellt. Genannt werden dort die Personen aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Westfalen, die in den Jahren 1940 bis 1945 vom Hannoverschen Bahnhof in die Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurden. Aufgrund der Quellenlage konnten zunächst nicht alle der über 8000 Deportierten genannt werden. Das betrifft vor allem die Deportation der Sinti und Roma 1940. Wir bemühen uns, durch vertiefende Recherchen in Archiven Lücken zu schließen.

Zurzeit beschäftigen wir uns in dem Forschungsprojekt „Transgenerationale Überlieferung von Geschichte: Bausteine zur Zukunft der Erinnerung an den National­sozialismus in der Migrationsgesellschaft“ unter anderem mit der familiären Weitergabe von Wissen und Erfahrungen der Verfolgung und Deportationen. Dazu führt meine Kollegin Karin Heddinga Interviews mit letzten Überlebenden und Angehörigen. Ich recherchiere in Archiven zu den betroffenen Familien und bisher wenig beleuchteten Aspekten wie den Deportationen der Sinti und Roma aus kleineren Städten in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Die Ergebnisse unseres Projektes sollen in das geplante Dokumentationszentrum eingehen.

Welche Erkenntnisse konnten Sie über die Menschen, die aus dem Regierungsbezirk Lüneburg über den Hannoverschen Bahnhof deportiert wurden, gewinnen?

Aus dem Regierungsbezirk Lüneburg wurden Anfang Dezember 1941 42 Jüdinnen und Juden nach Hamburg gebracht und mit etwa 750 Hamburgern vom Hannoverschen Bahnhof nach Riga deportiert. Offenbar haben von den 42 Personen nur Masha und Julius Katz überlebt, die nach 1945 wieder an ihren alten Wohnort Lehrte zurückkehrten.

Am 9. März 1943 wurden 28 Sinti und Roma aus Lüneburg nach Hamburg gebracht, in einen Fruchtschuppen im Freihafen gesperrt und am 11. März mit über 300 weiteren Personen aus Hamburg und Schleswig-Holstein nach Auschwitz deportiert.

Erfreut war ich darüber, dass in Lüneburg sehr viele Informationen über die deportierten Opfer recherchiert worden sind. So hat sich Peter Asmussen sehr viel mit den Sinti und Roma aus Lüneburg beschäftigt und Fotos und Dokumente veröffentlicht – so z.B. Schulakten mit Fotos von den Kindern Reinhold Rose sowie Franziska und Alois Reiminius. Dadurch kam auch der Kontakt zu einer Angehörigen von Reinhold Rose zustande, die uns viel über ihre eigenen Familienrecherchen berichtet hat.

denk.mal Hannoverscher Bahnhof

Entstehung und Partizipation

Heutzutage ist kaum noch etwas vom ehemaligen Hannoverschen Bahnhof zu sehen, da in den Jahren 1955 und 1981 Spreng- und Abrissaktionen stattfanden. Der Bahnhof und die hier stattgefundenen Deportationen gerieten in Vergessenheit. Mit dem neu entstandenen denk.mal Hannoverscher Bahnhof wurde nun ein würdevoller Ort geschaffen, der den Überlebenden der Deportationen und ihren Angehörigen ein Gedenken ermöglicht und gleichzeitig Bevölkerung und Touristen über die Geschichte des Ortes informiert – das alles ist eingebettet in einen Park, welcher der Naherholung und Freizeitgestaltung dient.

  • Namenstafeln und historische Gleisrelikte © Döpken
    Namenstafeln und historische Gleisrelikte © Döpken

Die Idee der Entstehung eines Gedenkortes an diesem Ort kam erstmals im Jahre 2000, im Zuge der Planungen der Neugestaltung der HafenCity, auf. Die 2004 veröffentlichte Studie von Linde Apel und Frank Bajohr „Die Deportationen von Juden sowie Sinti und Roma vom Hannoverschen Bahnhof 1940-1945“ wurde der Hamburger Kulturbehörde vorgelegt und zeigte schnell ihre Wirkung. Es bildete sich eine Expertenrunde aus verschiedenen Institutionen und Akteuren, die die Konzeption eines Erinnerungsortes vorantreiben wollten. Ein Jahr später wurden erste Informationstafeln am Lohseplatz, dem ehemaligen Bahnhofsvorplatz, angebracht. Der Einbezug eines Gedenkortes in die Planungen der Hafencity wurde 2008 mit dem neuen Koalitionsvertrag festgeschrieben. Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme erarbeitete daraufhin Empfehlungen für den neuen Gedenkort.

Ab 2009/2010 wurde schon alles konkreter. Es fand ein Wettbewerb statt, bei dem es um die Gestaltung des Gedenkortes ging. Das Landschaftsarchitektenbüro Vogt aus Zürich konnte den Wettbewerb für sich entscheiden. Ihr Konzept ist nun realisiert worden. Der Lohsepark wurde 2016 eröffnet, der Gedenkort etwa ein Jahr später, am 10. Mai 2017.

Besonders am Entstehungsprozess des Erinnerungsortes ist der Einbezug Jugendlicher durch das Partizipationsprojekt „Wie wollt ihr euch erinnern?“, welches von der Hamburger Kulturbehörde, dem Landesjugendring Hamburg und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, mit der Unterstützung vieler weiterer Akteure, durchgeführt wurde. Die teilnehmenden Jugendlichen sollten vor allem Ideen und Konzepte für das noch nicht realisierte Informations- und Dokumentationszentrum liefern. Das Projekt wollte gezielt die Stimmen der Jugendlichen stärken und somit aufzeigen, wie sich künftige Generationen erinnern möchten und wie sie derartige Orte gestalten würden, um Interesse in ihrer Generation zu generieren und sich angesprochen zu fühlen.

In insgesamt sieben Workshops und einer Abschlussveranstaltung arbeiteten die Jugendlichen in unterschiedlichen Arbeitsgruppen, mit unterschiedlichen Mitteln und Wegen. Von Musik, über Video und Accessoires kamen viele verschiedene Ergebnisse dabei heraus. Bei ihrer Arbeit wurden die Jugendlichen zwar pädagogisch betreut und angeleitet, hatten jedoch viel Handlungsspielraum. Die Ergebnisse des Projektes werden in die Konzeption des geplanten Dokumentationszentrums einfließen.

Der Gedenkort

In der Detailansicht des Lohseparks sind die drei bisher realisierten Bestandteile des Gedenkortes markiert. Sie setzen sich zusammen aus historischen Relikten des Bahnhofs sowie neuen, landschaftsgestalterischen und -architektonischen Elementen.

Von Norden kommend, erreicht man zuerst den Lohseplatz, den ehemaligen Bahnhofsvorplatz. An dieser Stelle befindet sich heute ein Infopavillon. Der Infopavillon beinhaltet eine gekürzte Version der Ausstellung „In den Tod geschickt“ von Linde Apel, die über die Deportationen informiert. Ebenfalls wird der Entstehungsprozess des Gedenkortes thematisiert, wozu auch das Partizipationsprojekt „Wie wollt ihr euch erinnern?“ gehört. Der Infopavillon ist von April bis Oktober von 10-18 Uhr geöffnet. Nach vorheriger Anmeldung ist aber auch ein Besuch von November bis März möglich. Der Eintritt ist frei.

Vom Lohseplatz aus führt das nächste Element des Gedenkortes, die sogenannte Fuge, die Besucher weiter in Richtung Süden. Die Fuge zeichnet sich durch eine interessante landschaftsarchitektonische Gestaltung aus. Sie schneidet sich in den Lohsepark ein, da sie im Gegensatz zum restlichen Terrain tiefer gelegen ist. Die Fuge leitet zum eigentlichen Kernstück des Gedenkortes – den historischen Gleisrelikten und Überresten des Bahnstiegs 2 des Hannoverschen Bahnhofs. Im Jahr 2008 wurden diese letzten Überreste unter Denkmalschutz gestellt. Sie wurden durch moderne, zurückhaltende Landschaftsgestaltung in den Vordergrund gerückt. An der Bahnsteigkante entlang wurden Tafeln aufgestellt, auf denen die Namen und Geburtsdaten der vom Hannoverschen Bahnhof aus deportierten Menschen zu finden sind.

Zusätzlich zu den Namenstafeln ist eine Gedenktafel mit Inschrift aufgestellt worden, auf der bei den offiziellen Gedenkveranstaltungen Blumenkränze zur Erinnerung niedergelegt werden.

Ein Teil des Gedenkortes wurde noch nicht realisiert – das Dokumentationszentrum. Es soll in der Zukunft eine aktualisierte Ausstellung beherbergen, die dann den Infopavillon ersetzen wird. Das Zentrum wird an den Lohsepark angrenzen und neben der neuen, multimedialen Ausstellung auch Büroräume beherbergen. Auch für die Konzeption des Dokumentationszentrums wurde ein Wettbewerb durchgeführt, welchen das Architektenbüro Wandel Lorch für sich entscheiden konnte. Der Eröffnungstermin ist noch nicht abzusehen, jedoch ist klar, dass die kommende Ausstellung deutlich ausführlicher über die Geschichte des Hannoverschen Bahnhofs informieren wird, als zuvor. Es werden auch die Täter und Nutznießer angesprochen und all diejenigen Behörden, Institutionen und Unternehmen, die von den Massendeportationen und dem Massenmord profitierten.

Sehr geehrte Frau Dr. Vagt, was wird das Dokumentationszentrum den Besuchern für Informationen bieten? Welche Themenbereiche wird die neue Dauerausstellung abdecken?

Während der Gedenkort die Möglichkeit bietet, innezuhalten und der Opfer zu gedenken, wird das geplante Dokumentationszentrum in einer Dauerausstellung vertiefend Einzelbiografien von Deportierten darstellen und über die für die Deportationen verantwortlichen Behörden, Institutionen und Einzelpersonen informieren. Ebenso soll die Vorgeschichte der Deportationen sowie der gesellschaftliche Umgang mit den Verbrechen nach 1945 dargestellt werden. Das Dokumentationszentrum wird auch Seminarräume und eine Lernwerkstatt beinhalten, um vielfältige pädagogische Angebote für unterschiedliche Besuchergruppen durchführen zu können. Doch auch vor der endgültigen Fertigstellung des denk.mals Hannoverscher Bahnhof wird sich ein Besuch lohnen.

Warum würden Sie einen Besuch des Gedenkorts denk.mal Hannoverscher Bahnhof empfehlen?

Inmitten der neu entstehenden HafenCity erinnert der Gedenkort an ein dunkles Kapitel der Hamburger Stadtgeschichte und die Opfer. Die Gedenktafeln mit über 7700 Namen gibt eine Anschauung davon, wie viele Menschen von Verfolgung und Deportation betroffen waren. Der Gedenkort ist etwas Besonderes, da er sowohl an Jüdinnen und Juden als auch an Sinti und Roma erinnert. Empfehlenswert ist der Besuch des Infopavillons, der schon heute über das historische Geschehen von Verfolgung und Deportation und den Entstehungsprozess des Gedenkorts informiert.

Wer den Ort nicht auf eigene Faust entdecken möchte, kann kostenpflichtige Gruppenführungen über den Hamburger Museumsdienst buchen oder an den kostenfreien Führungen von Mai bis Oktober teilnehmen. Diese werden jeweils am 4. Mittwoch des Monats durchgeführt, starten um 18 Uhr und dauern in etwa zwei Stunden. Treffpunkt für dieses kostenlose Angebot ist der Info-Pavillon.

© Open Street Map

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