Der Wildpark Lüneburger Heide

Ein Beitrag von Junis Spangenberg und Theresa Brand

Der Wildpark Lüneburger Heide

Wildpark – dieser Begriff klingt erst einmal etwas altmodisch. Doch wer dabei nur an eingezäunte Rehe und vielleicht ein paar Ziegen zum Füttern denkt, der liegt beim Wildpark Lüneburger Heide weit daneben. Was als klassisches Wildgatter angefangen hat, ist heute ein modernes und aufregendes Ausflugsziel, das für alle Altersstufen allerhand zu bieten hat. Neben den vielfältigen Angeboten und Attraktionen setzt sich der Wildpark zudem stark für Tierschutz, artgerechte Haltung und den Erhalt seltener Tierarten ein.

Auf den Spuren des Wildparks Lüneburger Heide

  • Der Kauz © Spangenberg
    Der Kauz © Spangenberg

Der Wildpark Lüneburger Heide ist eines der beliebtesten Freizeitziele im Umland der Hansestadt Lüneburg. Eingebettet in die Heidelandschaft liegt das weitestgehend naturbelassene Gelände, das sich perfekt in die umliegende Natur einfügt. Hier können zahlreiche Tiere bestaunt werden und auch die Lern- und Erholungsfaktoren kommen nicht zu kurz. Der Park ist ganzjährig geöffnet, in den Monaten November bis Februar jedoch zu etwas kürzeren Öffnungszeiten. Das Angebot an Events und Veranstaltungen ist während der Wintermonate leicht eingeschränkt, doch auch in dieser Zeit wird dort eine Menge geboten. Eröffnet wurde der Wildpark 1970 von Georg Friedrich von Krogh. Was als einfaches Hirschgatter begann, wurde schließlich im Laufe der Zeit um Elche, Kodiakbären und europäische Braunbären erweitert. 1989 übernahm Familie Tietz den Park, die diesen bis heute führt. Dabei wurde stets erweitert und an einem fortschrittlichen Konzept gearbeitet, sodass der Park immer mit der Zeit gehen konnte. Mittlerweile gibt es dort mehr als 140 Tierarten und -rassen in idyllischem Waldambiente zu entdecken.

Die Tiere im Wildpark

Im Wildpark leben insgesamt ca. 1200 Tiere aus 140 verschiedenen Arten und Rassen. Neben den beeindruckenden europäischen Braunbären und den vom Aussterben bedrohten sibirischen Tigern leben Elche, Wölfe, Polarfüchse, Schneeleoparden und die teilweise in Deutschland wieder heimisch gewordenen Luchse in unmittelbarer Nähe. Steinböcke und Gemsen springen spielerisch leicht über die steilen Felsen, während Eulen und Greifvögel das bunte Treiben im Park mit ihren scharfen Augen beobachten. Auch die verschiedenen, teilweise heimischen Hirscharten, sind wie zur Eröffnung des Parks in den siebziger Jahren dort zu sehen. In mehreren Freigehegen können sie von nahem betrachtet werden – wobei eine kleine Leckerei natürlich gerne als Lockangebot genommen wird. Außerdem gibt es im Park die für die Lüneburger Heide bekannten Heidschnucken und einige Haustierrassen wie Kaninchen, Schafe und Hühner zu sehen. Der Wildpark bietet auch Exoten wie Pelikanen, Präriehunden und Alpakas ein Zuhause. Das kleine Reptilienhaus ist an kalten Tagen der perfekte Ort zum Aufwärmen und bietet gleichzeitig einen Einblick in die Welt der Reptilien und Insekten.

Mehr als nur Tiere anschauen

  • Der Riesenspielplatz lädt zum Austoben ein © Spangenberg
    Der Riesenspielplatz lädt zum Austoben ein © Spangenberg

Was den Wildpark so faszinierend macht, ist die Möglichkeit die Tiere nicht nur aus der Ferne bestaunen zu können, sondern sie hautnah in naturnaher Umgebung zu erleben. Neben dem Streichelzoo mit Ziegen gibt es auf dem weitläufigen Gelände zudem mehrere Wildgatter, in denen beim Spaziergang das Damwild in seiner fast natürlichen Umgebung bestaunt und mit ein wenig Glück sogar gestreichelt werden kann. Nicht zum Anfassen, aber nicht minder faszinierend ist die Reptilienausstellung in der Zooschule, wo Exoten wie Chamäleons, Piranhas und Leguane bestaunt werden können. Die naturpädagogische Einrichtung bietet den Besuchern außerdem verschiedene Möglichkeiten, Natur und Tiere spielerisch zu entdecken. Die Wildpark-Bastelstube befindet sich ebenfalls in der Zooschule und für Schulklassen sowie andere Gruppen können zusätzlich unterrichtsbegleitende Materialien zur Verfügung gestellt werden. Es können zudem altersgerechte und erlebnisorientierte Führungen gebucht werden, um den Tag im Wildpark Lüneburger Heide unvergesslich zu machen. Für Tagungen und Workshops inmitten von Natur und Tieren steht der große Saal im Hauptrestaurant zur Verfügung.

Doch der Wildpark hat noch viel mehr zu bieten: Auf dem Riesenspielplatz locken die verschiedensten Geräte zum Austoben und im Sommer verspricht der Wasserspielplatz neben einer Menge Spaß auch feucht-fröhliche Abkühlung. Direkt daneben können sich die Erwachsenen bei einem Kaffee ausruhen – aber wer weiß, vielleicht kann ja der ein oder andere dem Reiz selbst nicht widerstehen. Auf dem Pfad der Sinne können Jung und Alt an acht Stationen etwas über die Sinne der Tiere erfahren und diese mit den eigenen vergleichen. Vom dritthöchsten Berg der Lüneburger Heide lässt sich die Aussicht auf den Park und den Wald genießen.

Führungen und Events

  • Der Bartkauz bei der Vogelschau © Spangenberg
    Der Bartkauz bei der Vogelschau © Spangenberg

Wer den Wildpark nicht nur auf eigene Faust erkunden möchte, dem steht eine Vielfalt an Führungen und Events zur Auswahl. Von März bis Oktober bietet sich hier beispielsweise täglich die Gelegenheit, die Tierpfleger bei der Fütterung der Fischotter zu begleiten, beim Tigervortrag alles über die beiden Sibirischen Tiger Alex und Ronja zu erfahren oder bei der Greifvogelschau zu bestaunen, was die ‚Jäger der Lüfte‘ so alles können. Unter dem Motto ‚Faszination Wolf‘ lernen Besucher direkt am Wolfsgehege mehr über die Urväter unserer Hunde. Wer an einer Führung teilnehmen möchte, der hat die Qual der Wahl: Lieber mit ‚Berühmten Irrtümern in der Tierwelt‘ aufräumen oder sich auf eine Reise in die ‚Welt der Raubkatzen‘ begeben? Das eigene Lieblingstier hautnah und ganz exklusiv beim ‚Rendezvous mit meinem Lieblingstier‘ kennenlernen oder vielleicht eine Abendwanderung machen und die nachtaktiven Parkbewohner in Aktion erleben? Neben diesen und zahlreichen anderen regelmäßigen Führungen und Vorträgen bietet der Wildpark rund um’s Jahr Aktionen und Veranstaltungen zu besonderen Anlässen an. Zu den Highlights gehören zum Beispiel das ‚Frühlingserwachen‘ in der Bärenschlucht zum Saisonstart, die Eiersuche im größten Osternest des Nordens zu Ostern und die Schafschur mit Imkerfest im Sommer. Doch auch in der kalten Jahreszeit hat der Park viel zu bieten, von Fackelwanderungen in der Dämmerung bis zum Besuch des Weihnachtsmannes an der Elchlodge – hier ist immer etwas los. Kinder ab vier Jahren haben außerdem die Möglichkeit, im Wildpark ein Geburtstagsfest der ganz besonderen Art zu feiern. Ob lieber als Tierdetektiv oder Juniortierpfleger, ob Indianerparty oder Schatzsuche, bei den ganzen Angeboten fällt die Entscheidung bestimmt nicht leicht.

Für das leibliche Wohl wird gesorgt

Bei so viel Bewegung und frischer Luft lässt der Hunger meistens nicht lange auf sich warten, denn zum Glück gibt es auch da eine Menge Angebote. Von Kleinigkeiten am Kiosk bis zum raffinierten Drei-Gänge-Menü im Restaurant ‚Grillhus zum Hirsch’n‘ – hier findet jeder etwas nach seinem Geschmack. Im Sommer verführen nicht nur Eis, kühle Getränke und Snacks, auch für den großen Hunger steht eine Menge auf der Speisekarte. In der kalten Jahreszeit lockt der gemütliche Innenraum der Elch-Lodge, wo beim Kaminfeuer ein heißer Germknödel mit Vanillesauce für gemütliche Almhütten-Atmosphäre sorgt. Wer sich lieber selbst verpflegen möchte, kann natürlich jederzeit ein Picknick mit dem eigenen Proviant machen; Sitzgelegenheiten dafür gibt es in Hülle und Fülle, ebenso wie sanitäre Anlagen oder Regenhäuschen zum Unterstellen.

  • Das Grillhus © Wildpark Lüneburger Heide
    Das Grillhus © Wildpark Lüneburger Heide

Übernachten im ersten Schäferdorf Deutschlands

Im Wildpark Lüneburger Heide gibt es so viel zu entdecken und zu erleben, da lohnt es sich direkt, ein paar Tage länger dort zu verbringen. Auch in der umliegenden Region gibt es eine Menge Freizeitattraktionen, die vom Wildpark aus gut zu erreichen sind: Der Heide-Park Soltau, der Vogelpark Walsrode und die zahlreichen Wander- und Radwege in der Heide sind nur einige davon. Das Schäferdorf Lüneburger Heide befindet sich direkt am Wildpark und ermöglicht Abenteuer-Wohnen mitten zwischen Natur und Tieren. Insgesamt stehen dort sechs Schäferwagen und acht Appartements zur Verfügung, die sich um den Dorfplatz mit Grillhütte und Feuerstelle gruppieren. Hinter den Schäferwagen befindet sich ein Waschhaus und die Appartements sind jeweils mit einem eigenen Bad und einer Terrasse ausgestattet. Ganz in der Nähe des Wildparks befinden sich zudem zwei Ferienwohnungen, von denen aus der Park schnell und einfach zu erreichen ist.

Ein Wildpark der Moderne

Was altmodisch klingt, erweist sich hier als modernes Unternehmen, das durchaus mit den Freizeitparks in der Region mithalten kann. Mit Kreativität und immer neuen Ideen hat es der Wildpark Lüneburger Heide geschafft, den Sprung vom klassischen Wildpark hin zu einem modernen und attraktiven Ausflugsziel für die ganze Familie zu vollziehen, ohne dabei seinen traditionellen Charme einzubüßen. Liebevoll gestaltete Schautafeln stehen neben QR-Codes, über die per Smartphone Informationen zu vielen Tieren abrufbar sind und wer immer auf dem Laufenden gehalten werden möchte, kann sich zum kostenlosen Newsletter anmelden. Neben der topaktuellen Internetseite verfügt der Park über ein Profil bei Facebook, einen Instagram-Account, einen YouTube-Channel sowie kleine ‚Wildpark-TV‘-Videos auf der Website. Wer seine ganz persönliche Wildpark-Erfahrung gerne mit anderen teilen möchte, kann seine Erlebnisse auf der Webseite posten. Am Ende des Jahres werden unter den Teilnehmern sogar Eintrittskarten für die nächste Saison verlost.

Artenschutz

Bei all dem gerät jedoch das aus den Augen, wofür der Wildpark von Anfang an steht: das Wohl der Tiere und der Artenschutz sowie der Auftrag, das Bewusstsein für die Natur und deren Erhalt auch an die folgenden Generationen weiterzugeben. Neben Spaß und Unterhaltung steht im Wildpark Lüneburger Heide auch der Artenschutz ganz weit oben auf der Agenda. Schon seit seiner Gründung 1970 setzt sich der Wildpark auf verschiedene Weise dafür ein, bedrohte Tierarten zu schützen und zu erhalten. Bereits von Beginn an nimmt der Park verletzte geschwächte Eulen und Greifvögel auf, die gesund gepflegt und nach Möglichkeit wieder ausgewildert werden. Seit 1999 gilt er als offizielle Auffangstation und gibt jährlich über 100 aufgenommenen Wildvögeln einen Platz zur Regenerierung. Als vor einigen Jahren auch die Wölfe in Deutschland wieder vermehrt heimisch wurden, begann sich der Wildpark auch für diese zu engagieren und ist mittlerweile ebenfalls offizielle Auffangstation für verletzte Wölfe in Niedersachsen.

Mit gezielten Zuchtprogrammen versucht der Wildpark das Fortbestehen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten zu sichern. Dafür beteiligt er sich unter anderem am internationalen Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das die Zucht der sibirischen Tiger, Moschusochsen und Schneeleoparden koordiniert. Auch heimische Tiere wie Fischotter, Wisente, Seeadler und Luchse werden im Wildpark gezüchtet und bei vielen gelang bereits eine erfolgreiche Auswilderung. Im Jahr 2004 wurde der ‚Artenschutzverein Wildpark Lüneburger Heide e. V.‘ gegründet, der unter anderem mit der Wildtierhilfe Lüneburger Heide eng zusammenarbeitet. Durch Geldspenden unterstützt der Verein zusätzlich jedes Jahr gezielt unterschiedliche Schutzprojekte, wie beispielsweise das Schneeleopardenprojekt in Kirgistan oder der Schutz des Birkhuhns in der Lüneburger Heide.

Informatives zum Schluss

Ursprünglich stammt der Begriff ‚Zoo‘ aus dem altgriechischen und bedeutet Lebewesen bzw. Tier. Was wir heute als „Zoo“ bezeichnen, heißt eigentlich ‚Zoologischer Garten‘, doch im Laufe der Zeit hat sich die Kurzform ‚Zoo‘ etabliert. Bereits um 3500 v. Chr. wurden im alten Ägypten Tiere ähnlich wie in unseren heutigen Zoos gehalten, ebenso wie in China und im Alten Orient. Dies wurde durch archäologische Funde bewiesen. Heute wird unterschieden zwischen Zoo, Tiergarten, Tierpark und Wildpark. Der Zoo zeigt genau wie der Tiergarten – neben einigen einheimischen – viele exotische Tierarten. Beim Tiergarten liegt jedoch ein weiterer Fokus auf der Gestaltung der Landschaft und der Pflanzenwelt. Im Tierpark wiederum werden etwa gleichviele einheimische wie exotische Tierarten gezeigt, der Wildpark hingegen beherbergt überwiegend heimische Tierarten und einige Haustierrassen auf großen Flächen.

Lage des Wildparks Lüneburger Heide, Open Street Map

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