Lüneburg erleben

Ein Beitrag von Jessica Grosser

Lüneburg erleben – Eine Reise zum Vorlesen, Selberlesen und Entdecken

Für Kinder, Eltern und alle anderen

Dies ist eine literarische Reise durch die Stadt Lüneburg. Sie ist aufgeteilt in kurze und längere Kapitel, je nachdem, wie viel du lesen möchtest und welchen Ort du besuchst. Manches Kapitel eignet sich besonders für die jüngeren, manches für die älteren Kinder. Die Kapitel eignen sich auch für Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, die nachschlagen und die Geschichten anschließend weitererzählen wollen. Auch kurze Hinweise sind in dieser Städtereise enthalten, wie etwa Geheimtipps für Regentage oder zu welcher Jahreszeit man auf dem Kalkberg am Besten Tiere beobachten kann. Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen und Entdecken dieser schönen Stadt.

Übersicht Stadtmitte © Open Street Map
Übersicht Stadtmitte © Open Street Map

Lüneburg und die Sage von der Salzsau

Lüneburg ist eine sehr alte Stadt. Forscherinnen und Forscher haben herausgefunden, dass bereits im Jahr 956 in den Unterlagen von König Otto dem I. von ihr berichtet wurde. Das war vor über 1000 Jahren. Am 13. August 956 schrieb er an das Kloster St. Michaelis einen Brief und teilt ihnen mit, dass er ihnen Geld schenken möchte.

Direkt beim Salzmuseum: Gipsgestein aus dem Untergrund Lüneburgs © Grosser
Direkt beim Salzmuseum: Gipsgestein aus dem Untergrund Lüneburgs © Grosser

König Karl Otto der I. hat so viel Geld mit dem Handel von Salz verdient, dass er es verschenken konnte. Salz, fragst du dich? Warum denn ausgerechnet Salz? Als Lüneburg gebaut wurde, da wussten die Leute noch gar nicht, welches Glück sie hatten. Eine Sage, (das ist ein anderes Wort für eine Geschichte, die man sich von Generation zu Generation weitererzählt), wie herauskam, dass die Stadt auf einem Salzberg gebaut wurde, lautet so:

Vor mehr als 1000 Jahren war Lüneburg umgeben von Sümpfen und Wald. Zwei Jäger waren unterwegs und wollten eine Wildsau jagen. Als sie durch die Büsche sahen, erkannten sie eine Wildsau, die sich im Morast wälzte. Sie verletzten das Tier, doch es entkam ihnen und lief durch das Dickicht fort. Die Jäger liefen hinterher und sahen es schließlich tot auf einer Lichtung liegen. Wie erstarrt blieben sie stehen und glaubten, ein Wunder sei geschehen, denn das Fell der Wildsau war schneeweiß und glänzte in der Sonne. Die Jäger gingen näher an das Tier heran und sahen, dass es über und über mit weißen Salzkristallen bedeckt war. Sie nahmen das Tier auf und gingen zurück zu der Stelle, wo es sich vorher im Morast gewälzt hatte. Sie probierten das Wasser, das dort an dieser Stelle aus dem Boden sickerte, und stellten fest, dass es ganz salzig schmeckte. So wurde der erste Salztümpel Lüneburgs gefunden.

Die Wildsau haben die Jäger nicht gegessen, stattdessen wurde sie aufgehoben und ihr Schulterknochen wird heute noch in einem gläsernen Kasten ausgestellt. Besucht doch einmal das Rathaus am Marktplatz und geht in den Raum der Alten Kanzlei. Dort kannst du ihn dir bei einer Führung ansehen.

Das Rathaus und sein (Ober-)Bürgermeister

Im Lüneburger Rathaus arbeitet der Bürgermeister zusammen mit vielen anderen Menschen, die dafür sorgen, dass es den Einwohnern in Lüneburg gut geht. Der Bürgermeister hat die Verantwortung dafür, Entscheidungen zu treffen, die gut für alle Bewohner und Bewohnerinnen der Stadt sind. Er und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen entscheiden zum Beispiel darüber, wo Häuser gebaut werden oder ob es einen neuen Spielplatz geben soll. Der Bürgermeister wird immer von den Einwohnern der Stadt gewählt.

Das Rathaus am Marktplatz © Grosser
Das Rathaus am Marktplatz © Grosser

Das Rathaus

Draußen am Rathaus kannst du 15 Statuen aus Sandstein auf den Mauervorsprüngen sehen. Einige sind sogar vergoldet. Weil die Statuen sehr alt sind, haben sie auch altertümliche Namen, die etwas sonderbar klingen. Einige dieser Statuen haben eine besondere Bedeutung oder stehen für berühmte Könige und Kaiser. Hier stelle ich dir fünf von ihnen vor:

  • Severitas, das bedeutet die Strenge, und Veritas, diese Statue steht für die Wahrheit.
  • Clementia, sie war die Göttin der Milde.
  • Friedrich der Siegreiche. Er war ein Kurfürst und äußerst begabt in allen Dingen, die Ritter gut konnten: Reiten, Fechten und Jagen.
  • Iustitia, sie steht für die Gerechtigkeit und ein faires Urteil ohne Vorurteile.

Wenn du vor dem Rathaus stehst, kannst du mal probieren, alle Statuen zu entdecken.

  • Severitas, die Strenge © Grosser
    Severitas, die Strenge © Grosser

Das Rathaus und sein Glockenspiel

Dreimal am Tag spielt das Glockenspiel, das aus 41 Porzellanglocken gemacht ist, hoch oben auf dem Dach des Rathauses Musik: Zum ersten Mal morgens um 8 Uhr das „Erntelied“, um 12 Uhr der „Erntetanz“ und abends um sechs Uhr das „Abendlied.“ Vielleicht kennst du das Abendlied sogar, man kann den Text „Der Mond ist aufgegangen“ dazu singen.

Der Mond ist aufgegangen
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar:
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wenn du im Rathaus bist, dann stehst du manchmal auf einem Boden, der noch aus dem Spätmittelalter ist, nämlich aus dem 14. Jahrhundert. Auch die Bilder an den Wänden, das Holz und die Fenstergläser mit ihren bunten Farben sind teilweise noch aus dieser Zeit.

Es gibt einen Saal im Rathaus, der noch heute für Feste und Feiern genutzt wird: Der Fürstensaal. Schon früher haben die Menschen hier getanzt und festliche Empfänge veranstaltet. Ist es nicht schön, dass die Menschen heute an einem Ort feiern, wo andere schon vor vielen hundert Jahren gefeiert haben?

Gleich neben dem Rathaus steht ein schwangeres Haus

Neben dem Rathaus in der Waagestraße steht das Schwangere Haus. Du erkennst es an seiner nach außen gewölbten Mauer, die aussehen wie ein dicker Bauch. Das kommt daher, weil seit dem 12. Jahrhundert Bauarbeiter aus Lüneburg für den Bau des Hauses Gips und Anhydrit vom Lüneburger Kalkberg nutzten. Anhydrit ist ein Gestein, das besonders empfindlich zusammen mit dem Gips auf Feuchtigkeit reagiert und sich ausdehnt, also größer wird, sobald es nass wird. Nach Bau des Hauses hat daher die Wand Regenwasser aufgenommen und ist aufgequollen. Da sie aber das Haus wegen seines Gewichtes nicht anheben konnte, bewirkte die Vergrößerung eine Wölbung nach außen. Zum Glück sind die Wände im Inneren des Hauses so warm und trocken, dass sie glatt bleiben. Die Bewohner und Bewohnerinnen können also ohne Probleme Bilder aufhängen.

Das schwangere Haus © Grosser
Das schwangere Haus © Grosser

Gleich rechts dem Schwangeren Haus wurde eine Berühmtheit geboren. Der Komponist Johann Abraham Peter Schulz kam hier zur Welt, er war der Sohn eines Bäckermeisters. Johann war musikalisch talentiert und komponiert berühmte volkstümliche Melodien, wie die Melodie zum Gedicht „Der Mond ist aufgegangen“. Erinnerst du dich noch, wo man das Lied in Lüneburg hören kann?

Es wird einmal am Tag vom Glockenspiel im Rathausturm gespielt.

Der schiefe Kirchturm Am Sande

Eine imposante Kirche steht Am Sande: die St. Johanniskirche. Um ihre Entstehung, oder besser gesagt um ihre Kirchturmspitze, rankt sich eine alte Legende, die sich die Bürgerinnen und Bürger von Lüneburg seit vielen Jahren erzählen.

Die Spitze des Kirchturmes der St. Johanniskirche ragt schief in den Himmel. Dass sie ein bisschen schief ist, das macht ja nichts, dachten sich die Menschen, als sie sie erbauten. Aber dass sie so schief werden würde, hätten sie nicht gedacht. Der Erbauer bestieg noch einmal die Kirchturmspitze, um sie sich anzusehen. Vielleicht würde er noch etwas an ihr reparieren können. Als er sich vornüberbeugte, verlor er das Gleichgewicht und fiel vom Kirchendach. Zum Glück fuhr gerade in dem Moment ein vollbeladener Heuwagen unten vorbei und der Erbauer landete weich. Froh darüber, dass er eben gerade dem Tod entkommen war, ging er in ein Wirtshaus und trank kräftig. Vom vielen Alkohol betrunken, fiel er vom Stuhl, brach sich das Genick und war tot.

Natürlich ist das nur ein Märchen und eine gewisse Schieflage ist für Kirchtürme üblich, das hat etwas mit dem Wind zu tun. Aber dennoch kann man sagen, dass dieser Kirchturm ganz besonders schief geworden ist.

Die St. Johannis-Kirche mit ihrem schiefen Kirchturm und der Wasserturm © Grosser
Die St. Johannis-Kirche mit ihrem schiefen Kirchturm und der Wasserturm © Grosser

Der Lüneburger Wasserturm

Wenn du einmal einen ausgesprochen guten Überblick über die Lüneburger Innenstadt genießen möchtest, dann solltest du unbedingt auf den Wasserturm steigen. Er hat sechs Stockwerke und wenn du dich sportlich fühlst, dann kannst du die Treppenstufen nach oben gehen. Wenn du müde bist, dann fährt auch ein Lift bis nach oben.

Der Wasserturm wurde von einem Architekten gebaut, der 1899 in die Stadt Lüneburg kam, sein Name lautete Franz Krüger. Weil er sich besonders gut mit der Geschichte von alten Häusern und ihrer Bauweise auskannte, war er in Lüneburg ein gefragter Mann. Schließlich hat er zahlreiche Gebäude in Lüneburg errichten lassen. Der Wasserturm gehört auch dazu.

Wenn du auf den Wasserturm zugehst, kannst du vielleicht erkennen oder dir vorstellen, dass er mal auf dem Grund des Lüneburger Roten Walls gestanden hat. Ein Wall ist eine Anhöhe, die breit und stark genug ist, dass darauf Menschen entlanggegen können. Auf dem Roten Wall in Lüneburg sind die Menschen früher gerne spazieren gegangen. Wenn du genau hinsiehst, dann erkennst du ganz unten am Fuße des Wasserturms noch die alten Steine.

Der Turm wurde 1907 erbaut und war seitdem zum Speichern von Wasser da. Was meinst du, wofür das Wasser genutzt wurde?

Vom großen Vorratsbehälter im oberen Teil des Turmes konnte das Wasser dank seines Gewichtes in die Wasserleitungen der Häuser gedrückt werden.

Weil Lüneburg aufgrund des Salzvorkommens eine sehr reiche Stadt war, wollten immer mehr Menschen dort wohnen. Die zwei Wassertürme, die bis dahin Lüneburg mit Wasser versorgten, reichten nicht mehr, also brauchte die Stadt einen weiteren Turm. Die Leute waren zuversichtlich und dachten, nun würden alle Bürgerinnen und Bürger viele Jahrzehnte mit ausreichend Wasser versorgt, aber so war es nicht. Nach nur sechs Jahren reichte der Wasservorrat im Behälter nicht mehr für den gestiegenen Wasserverbrauch aus. Der Behälter lief leer und stundenweise blieben die Leitungen ohne Wassernachschub.

Ein ganzes Wasserwerk musste gebaut werden, um die vielen Menschen zu versorgen, die nun in Lüneburg wohnten. Und der Wasserturm? Er wurde 1986 geschlossen und sollte abgerissen werden. Die gesamte Technik wurde bis auf den großen Wasserbehälter abgebaut. Das wäre auch mit dem Turm passiert, aber die hohen Kosten, die dabei entstehen können, verhinderten das zunächst. Später entschieden die Menschen sich dazu, den Turm zu erhalten, einfach weil sie ihn als schön empfinden. Schließlich wurde er sogar unter Denkmalschutz gestellt.

1985 stillgelegt, ergriffen 1997 Lehrer und Schüler der benachbarten Schule die Initiative und entscheiden sich dazu, den „langen Lulatsch“, wie sie ihn nannten, für Ausstellungen, Konzerte und Führungen zu nutzen. Es werden sogar Schülerinnen und Schüler darin ausgebildet, Führungen zu geben.

Das Wasserviertel rund um den alten Hafen

Im Wasserviertel der Stadt liegt der Stint-Markt. Er hat seinen Namen von einem kleinen Fisch, der in seiner Form an einen Hering erinnert und der im Mittelalter sehr begehrt und gerne gegessen wurde. Früher wurde am Stint-Markt mit genau diesem Fisch rege gehandelt. Er schwamm zum Laichen stromaufwärts, suchte sich einen Platz in dem sandigen Uferboden der Ilmenau, wurde dort von den Fischern gefangen und auf dem Markt gleich vor Ort verkauft. Heute wird am Stint-Markt nicht mehr gehandelt, aber dafür stehen noch die mittelalterlichen Häuser und in fast jedem Gebäude sind Gaststätten, Restaurants und Cafés.

Von den zwei Brücken, die den Stint-Markt säumen, hast du einen guten Ausblick über den Fluss und kannst dir gut vorstellen, wie es früher aussah. Du wirst ein oder zwei Boote entdecken, die auf dem Wasser schwimmen. Das sind Salzkähne, genannt Ewer. Und auch den alten Kran, den es brauchte, um im Hafen schwere Lasten zu verladen, kannst du dort bewundern.

  • Der alte Kran am Stint-Markt © Grosser
    Der alte Kran am Stint-Markt © Grosser

Saus und Braus auf der Brausebrücke

Auf einer der beiden Brücken, die, die zwischen zwei Mühlen steht, kann es vorkommen, dass es herrlich rauscht und braust. Dann sind die Schleusen geöffnet, die das Wasser von einem kleinen Stauteich in die Ilmenau leiten. Dann saust das Wasser mit so viel Kraft hinab, dass es gar nicht anders ging, als die Brücke nach ihrem Geräusch zu benennen: Brausebrücke. Wenn du dich dort umsiehst, wirst du neben dem Torbogen eine kleine Holzrutsche sehen. Sie nennt sich Fischtreppe und sie ist extra dafür da, um den Fischen einen Übergang vom Teich in die Ilmenau zu ermöglichen. Vielleicht siehst du ja sogar einen Stint.

  • Die Brausebrücke am Stint © Grosser
    Die Brausebrücke am Stint © Grosser

Ein Naturschutzgebiet mitten in der Stadt! Ein Ausflug auf den Lüneburger Kalkberg

1958 wurde er von der Stadt Lüneburg für 1 DM vom Land Niedersachsen erworben – eines der ältesten und ungewöhnlichsten Naturschutzgebiete Deutschlands ist der Lüneburger Kalkberg. Das anstehende Gestein ist allerdings nicht Kalk (Kalziumkarbonat CaCO3), sondern Gips (Kalziumsulfat CaSO4). Mitten in der Stadt hat sich eine besondere Artenvielfalt entwickelt. Im norddeutschen Flachland ist der Kalkberg aufgrund seiner geologischen, kleinklimatischen und bodenbedingten Besonderheiten einzigartig, denn hier wachsen wärme-, licht- und kalkliebende Pflanzen, deren eigentliche Heimat sonst die Kalkgebiete des südlichen Mitteleuropas sind.

Mehr als 250 Blütenpflanzenarten, davon sind 18 Prozent der Pflanzen ganz besonders schutzwürdig, bieten eine einmalige floristische Vielfalt. Sogar bedrohte Tierarten finden hier Schutz. Diese Artenvielfalt ist möglich, da sich nach Einstellung des Gipsabbaus am Kalkberg vier unterschiedliche Biotope nebeneinander auf engstem Raume bilden konnten. „Biotop“ ist ein anderes Wort für Lebensraum und auf dem Kalkberg gibt es vier solcher Biotope, in denen Pflanzen wachsen und Tiere leben: Trockenrasen, Feuchtwiese, Magere Fettwiese und Wald.

  • Der Treppenaufgang zum Kalkberg © Grosser
    Der Treppenaufgang zum Kalkberg © Grosser

Tiere auf und um den Kalkberg

Die miteinander vernetzten Biotope bieten Tieren den Schutz und die Möglichkeit, sicher zwischen ihren Lebensräumen zu wandern. So kann sich ein Schmetterling vom Ei bis zu seinem fertigen Dasein als fliegender Schmetterling mit Fühlern und Flügeln, gefahrlos entwickeln. Ein gesamter Lebenszyklus kann durchlaufen werden, weil der Kalkberg dafür alles hat. Wenn du den Kalkberg von Mai bis September besuchst, wirst du sicher den Hauhechel-Bläuling sehen. An warmen und trockenen Tagen fliegt dort dieser zarte blaue Schmetterling.

Hier sind noch weitere Tiere, die du beobachten kannst:

  • Von April bis Juni kannst du den Teichmolch als erwachsenes Tier und als kleine Larven in den Felsspalten sehen.
  • Von April bis Oktober kannst du unter dem Laub der Bäume Weinbergschnecken entdecken. Sie stehen unter Naturschutz, also achte besonders darauf, wo du hintrittst.
  • Von Juni bis September fliegt die Fledermaus mit dem hübschen Namen „Braunes Langohr“ in den Dämmerungsstunden umher. Ihre Ohren sind übrigens so groß, dass sie wie Fallschirme den Wind stoppen und darum können die Fledermäuse nicht so schnell fliegen. Du hast also gute Chancen, sie genauer zu betrachten.
  • Auch Glühwürmchen kannst du auf dem Kalkberg beobachten. Meist sind sie in der Dämmerung zu sehen und leuchten dann bis in die Nacht hinein.

Für alle, die wissen wollen, wie es sein kann, dass mitten in Lüneburg ein Berg wächst, zusammenfällt und dann wieder wächst, die lesen jetzt am besten weiter…

Gesteinswände des Kalkbergs © Grosser
Gesteinswände des Kalkbergs © Grosser

Der Lüneburger Kalkberg entstand etwa vor 250 Millionen Jahren und ging aus Meeresablagerungen des Zechsteinmeeres hervor. Der Fachbegriff für solche Ablagerungen ist „Sedimente“. Die Ablagerungen aus der Zechsteinzeit umfassten, Kalisalz (Kaliumchlorid KCl), Steinsalz (Natriumchlorid, NaCl, das ist auch das Speisesalz in der Küche), Kalk und Gips. Durch Erschütterungen in der Vergangenheit entstanden Risse im Untergrund. Die Zechsteinsalze liegen normalerweise 4 Kilometer tief im Untergrund und stehen wegen der darüber lagernden Sedimente unter einem sehr hohen Druck. Stelle dir vor, du versuchst mit vielen anderen einen Menschenturm zu bauen, der 4 km hoch ist und du ständest ganz unten. Dann würden ungefähr 2.300 andere Personen auf deinen Schultern stehen – eine erdrückende Vorstellung! Auch die Temperatur ist dort unten sehr hoch, ungefähr 120-130°C. Wasser kocht bei 100°, wenn du dich mal mit kochendem Wasser verbrüht hast, weißt du, wie heiß das ist. Menschen könnten da unten nicht leben, wenn eine Höhle überhaupt so tief reichen würde. Unter hohem Druck und bei solch hoher Temperatur ist das Salzgestein nicht mehr fest, wie wir es an der Oberfläche kennen. Es ist weich, ungefähr so wie Kinderknete, also wie Ton – hast Du schon mal mit Kinderknete Figuren geformt? Durch die erwähnten Risse im Untergrund kann dieses weiche Salzgestein aufsteigen. Es drückt dabei die angrenzenden Gesteinsschichten auseinander. Wenn allerdings das Salzgestein soweit aufdringt, dass es in den Bereich von Grundwasser im Boden kommt, endet normalerweise der Aufstieg. Das Grundwasser beginnt unter der Altstadt in Lüneburg in etwa 30 m Tiefe. Wenn Salz und Wasser zusammenkommen, wird das Salz gelöst. Das kannst du in der Küche ausprobieren: Nimm eine Tasse, gib einen Teelöffel Speisesalz hinein, danach Wasser und warte ab. Nach einiger Zeit hat sich das Salz im Wasser aufgelöst. Wenn du das Wasser schmeckst, merkst du aber, dass das Salz noch da ist, denn nun schmeckt das Wasser salzig. Die Auflösung passiert schneller, wenn Du mit einem Teelöffel umrührst. Mit Zucker geht das auch, aber dann schmeckt das Wasser natürlich nicht salzig, sondern süß. Zurück zum Kalkberg: Kalk und Gips werden zwar auch durch Wasser aufgelöst, aber sehr viel langsamer als Speisesalz. Der Kalkberg, der ja eigentlich ein Gipsberg ist, ist eine Nadel aus festerem Gestein, das vom aufsteigenden Salz hochgedrückt und durch die Erdoberfläche hindurchgestoßen wurde – wie man eine Nähnadel durch Kleidungsstoff hindurchstoßen kann! So entstand der Kalkberg wie wir ihn heute kennen. Und obwohl Grund- und Sickerwasser die Salze ausgelaugt haben und es dadurch noch heute rund um den Kalkberg zu Senkungserscheinungen kommt, wächst der Kalkberg selbst um einen Millimeter pro Jahr.

Ein Besuch im Zickengarten am Fuße des Kalkberges

Ziegen, Gänse, Hühner, ein Hund und viele Wildtiere leben im Zickengarten. Der Zickengarten ist ein Garten für alle, die sich in guter Absicht um ihn kümmern wollen. Beete und Werkstätten für Fahrradreparaturen, Holz- und Metallarbeiten gibt es auch. Und wenn du Tiere magst, dann besuchst du am besten auch den Arche-Park in Ochtmissen, gar nicht weit von der Innenstadt entfernt.

Tierschutz im Arche-Park

Arche-Park © Open Street Map
Arche-Park © Open Street Map

Hast du schon mal Sikawild gesehen? Oder Deutsche Lachshühner? Oder Rotbunte Husumer Schweine? Nein? Diese und mehr Nutztierrassen kannst du dir im Arche-Park ansehen. Der Arche-Park trägt diesen Namen, weil er sich ganz besonders dafür einsetzt, alte und gefährdete Haustierrassen zu schützen. Gemütlich kannst du durch den Wald spazieren und wirst am Ende einen wild mit Büschen und Bäumen umwachsenen Ententeich entdecken oder schon von Weitem die Schweine grunzen hören. Vielleicht triffst du auch eine Gruppe spielender Kinder, denn direkt beim Arche-Park steht der Bauwagen des Waldkindergartens. Ganz egal, wann du dort bist, es gibt auf jeden Fall etwas zu entdecken.

Wohin, wenn es regnet?

Es regnet, oh je! Erstmal ist das ja gar nicht schlimm. Mit Regenkleidung, Gummistiefeln und einem Schirm lässt es sich auch in Lüneburg herrlich durch die Pfützen springen und laufen! Aber manchmal möchte man doch drinnen sein und es trocken und warm haben. Hier sind einige Ausflugsziele, die du aufsuchen kannst, wenn es draußen zu regnerisch ist.

Mitten in der Innenstadt ist die Kinder- und Jugendbücherei. Sie hat viele gemütliche Leseecken unter dem Dach mit Blick hinaus in den Garten, Regale voll mit Comics, spannende Geschichten, Märchen und Bilderbücher. Dorthin kommst du über den Hof der Ratsbücherei.

Im Deutschen Salzmuseum hast du die Chance, zu sehen, zu fühlen, zu schmecken und zu hören, wie es früher einmal in Lüneburg war und was es mit dem weißen Gold – das Salz, das Lüneburg so reich gemacht hat – auf sich hat. Vom Salzmuseum aus kommt man übrigens ganz hervorragend gut zum Kurpark, der südlich gelegen ist und auch einiges mit Salz zu tun hat.

Das Salzmuseum © Grosser
Das Salzmuseum © Grosser

Im Scala-Kino in der Kuhstraße ist an jedem Nachmittag Kinderkino. Dabei kannst du dich zwischen zwei Filmen entscheiden. Es gibt extraleckeres, warmes Popcorn und der Eintritt für Kinder bis 18 Jahre ist extragünstig (2019: 5,00 €).

Das Museum Lüneburg zeigt Ausstellungstücke aus der Natur, Archäologie und der Kultur. Wechselnde Sonderausstellungen zeigen immer wieder unterschiedliche Gegenstände. Ein Besuch lohnt sich immer, wenn du etwas über Menschen, Natur und über die Geschichte von Lüneburg lernen möchtest.

Ein Spaziergang durch den Kurpark

Kurpark © Open Street Map
Kurpark © Open Street Map

Breite und verschlungene Wege führen dich durch den Park. Vorbei am Springbrunnen, der direkt am Eingang steht und durch den man sogar laufen kann, wenn es warm genug ist. Du gehst entlang an den alten Bäumen und hin zum Ententeich. Die Tiere schlummern im Gras oder kleine Küken watscheln munter ihrer Mutter hinterher und wollen lernen, wie man fliegt. Vom Ententeich aus kannst du die üppigen Rosenbüsche sehen, die hinter einer Hecke hervorragen. Um dorthin zu kommen, öffnest du eine kleine Holztür und bist nicht nur von Rosen umgeben, du stehst auch mitten in einem Kräutergarten, der in der wärmeren Jahreshälfte so gut und vielfältig duftet, dass du gar nicht weg möchtest. Trotzdem gibt es einen Anreiz zum Weitergehen: Durch einen grünen Bogen und über einen verschlungenen Pfad geht’s zum Spielplatz! Dort ist immer etwas los – kein Wunder, denn dort stehen ein Holzpiratenschiff, ein Kutschenanhänger und tolle Schaukeln. Wenn du dort gespielt und getobt hast, kannst du jede Menge frische und gesunde Salzluft schnuppern, denn eine Besonderheit am Kurpark ist das Gradierwerk.

  • Das Gradierwerk im Kurpark © Grosser
    Das Gradierwerk im Kurpark © Grosser

In dem Gradierwerk wird der Grad, man kann auch sagen, die Feinheit des Salzes erhöht. Das passiert so:

Aus dem Boden wird Sole hochgepumpt, das ist salziges Wasser aus der Erde. Die Sole steigt bis ganz oben in das Gradierwerk hinauf und von dort fließt und tropft sie wieder hinunter. Dabei läuft das Salz über tausende dicht gestapelte Holzzweige, aus denen das Gradierwerk besteht. An diesen Zweigen bleibt ein Teil der Sole hängen, ein Teil tropft weiter. So zerteilt sich die Sole immer weiter, Salzklümpchen entstehen und diese werden feiner und feiner. Unten angekommen wird die Sole wieder hochgepumpt und das inzwischen schon feiner gewordene Salz tröpfelt weiter an den Ästen hinunter, so dass am Ende rieselndes und körniges Salz übrig bleibt. Durch Sonneneinstrahlung und Wärme verdunstet das Wasser und trägt sehr feine Salzkristalle mit sich durch die Luft. Die sorgt schließlich für einen wunderbar frischen Meeresbriseduft mitten in der Stadt.

Du kannst um das Gradierwerk herumspazieren oder dich auf eine der vielen Bänke setzen, die drum herum aufgestellt sind. Vergiss nicht, dabei ganz tief einzuatmen und deinen Lungen damit auch eine Kur zu verpassen.

Liebesgrund

Liebesgrund und Bücherei © Open Street Map
Liebesgrund und Bücherei © Open Street Map

400 Meter lang steht sie da – die Bardowicker Mauer. Früher war sie ein Schutz vor Angreifern, heute ist sie ein Ort zum Picknick machen, Schlitten fahren, Spielen, Dösen und Spazieren. Du kannst auf dem alten Verteidigungswall entlanggehen und die Überreste der Brücke bestaunen, die einst den Liebesgrund überspannte.

Du kannst auch neben der Mauer entlanglaufen und die Wände auf Spuren der Vergangenheit untersuchen. Die Mauer wurde aus Findlingen, Feldsteinen und Granit gebaut und an manchen Stellen kann man dies noch sehr gut erkennen. Hinter der Bardowicker Mauer wirst du sehr kleine Häuser stehen sehen, die wirken, als würden sie sich aneinander lehnen. Das sind die kleinen Buden. Wie schön, dass es sie an der Mauer noch gibt! Heute wohnen hier ganz gewöhnliche Leute. Früher aber waren die Buden auch als sogenannte Armeleutehäuser da. In ihnen wohnten Gerichtsknechte und ihre Aufgabe war es, auf Gefangene aufzupassen, die mit ihnen in den Buden in kleinen Gefängniszellen lebten. Das gibt es so heute natürlich nicht mehr.

Wenn du durch den Liebesgrund über die grünen Wiesen geschlendert bist, wirst du Lust haben, den Spielplatz am westlichen Ende auszuprobieren, der hinter Büschen und unter Bäumen genügend Platz zum Toben bietet.

Spielplätze in Lüneburg

Direkt in der Innenstadt und auch um sie herum gibt es kleine und große Spielplätze, auf denen du toben und entdecken, spielen und dich ausruhen kannst. Manche sind wie ein Ausguck, von dem aus du dem Stadttreiben zusehen kannst. Manche sind abgelegen und wie Höhlen, in denen du ungestört Geschichten erfinden und dich erholen kannst. Je nachdem, worauf du Lust hast, Spielplätze gibt es genug in Lüneburg. Viel Spaß beim Entdecken!

Es ist Frühling in Lüneburg – Blick vom Kalkberg © Grosser
Es ist Frühling in Lüneburg – Blick vom Kalkberg © Grosser

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